Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
750
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750 Eschbacher,

Gelegenheit, wie nicht leicht irgendwo, die Kehrseite der menschlichenNatur, deren Laster und Unarten kennen zu lernen. Der glücklicheTheil der menschlichen Gesellschaft hat wohl keine Vorstellung von demGrade der Frechheit, Verdorbenheit, Lüge, Zanksucht, Heuchelei, Ver-läumdung und steter Unzufriedenheit, wie sie hier in schönster Blüthezu sehen und zu finden sind. Es ist solchen Unarten um so schwererbeizukommen, als diese Leute wissen, dass gegen sie strengere Zwangs-mittel oder Strafen nur im äussersten Falle oder nur in geringem Maassein Anwendung kommen dürfen. Und doch ist es möglich geworden, wiedie Erfahrimg zeigt, mehr als es auf den ersten Blick erscheinen möchte,ein genügendes Zusammenwirken so verschiedener Elemente zu erzielendadurch, dass man soviel als möglich Gelegenheit zur Arbeit giebt. ZumGlück ist immer bei dem einen Theil der Insassen der Sinn für Rechtund Sitte, für Bescheidenheit und Genügsamkeit, die Nächstenliebe, Flcissund Dank für die empfangenen Wohlthat.cn noch zu finden. Solch guteEigenschaften Einzelner bieten dann wieder eine wohlthuende Entschädi-gung für die erlittenen Kränkungen und für die oft ganz erfolglose Auf-wendung so vieler Mühe für Hebung der in Rohheit Versunkenen undUnverbesserlichen.

Zweiter Abschnitt.

8. Bau und Anlage.

Entsprechend dem Hauptcharacter der Pflcgeanstalten als Armen-häuser ist deren ganzes AVescn nach dem Grundsatze der Einfachheitin Anlage, Bau, Verwaltung, Haushalt,- Verpflegung, Personal etc. ein-zurichten. Als humanen Zwecken dienende Communalanstalten treten siein Gestalt von freundlichen, stattlich und soliden, aber schmucklosenGebäude-Complexen in die äussere Erscheinung.

"Während eigentliche Krankenspitäler eher klein sein sollen, um einezu grosse Anhäufung von ansteckenden Krankheiten zu vermindern, ge-deiht ein Armen- oder Siechenhaus am besten, wenn es eine gewisseGrösse hat, um bei gegenseitiger Ausnutzung der vorhandenen Arbeits-kräfte, bei möglichst wenig Aufsichts- und Bedienungspersonal die Pflegeeine billige werden zu lassen.

Um alle Störungen von solchen Anstalten fernzuhalten, sollen siein einem gewissen Grade, dem lärmenden Verkehre entrückt, mehr ent-legen und abgeschlossen sein, ohne jedoch vereinsamt zu stehen odergar einen unheimlichen, gefängnissartigen Eindruck zu gewähren. Wiewar sehen werden, ist mit Rücksicht auf die Befriedigung der vielen Be-dürfnisse einer grossen Anstalt eine gewisse Nähe eines möglichst grossenOrtes oder einer Stadt, wo es angeht, in der Mitte der Provinz, oderdes Bezirkes vorzuziehen.

Bei der Anlage solcher Anstalten muss vor Allem auf einen ge-nügend grossen Flächenraum Bedacht genommen werden; zunächst ist