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1 (1899)
Entstehung
Seite
743
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Soncleranstalten und Fürsorge für Sieche (Kreispflege-Anstalten). 743

zunehmende Zahl der verarmten und unglücklichen Menschen zu sorgen,diesen ein würdigeres Dasein zu verschaffen, den wirklich Kranken,Leidenden und Presthaften Trost und Hilfe zu bringen.

Nebstdem dienen sie zur Durchführung einer finanziellen Maass-rege], welche darin besteht, bei guter und billiger Massenversorgungeine wesentliche Ersparniss, eine Verminderung der Armenlasten herbei-zuführen, was dadurch möglich wird, dass eben von den Aufgenommenenimmer noch ein nicht geringer Theil verwendet werden kann, theils zugegenseitiger Hilfeleistung, theils auch zu andern leichtern nutz-bringenden Arbeiten und Verrichtungen. Und gerade dadurch ist esdann auch gelungen, in solchen Anstalten eine nicht minder erfolgreichesociale Aufgabe zu lösen: Nur bei der auf diese Weise gehandhabtensogen, geschlossenen Armenpflege, bei der steten Beaufsichtigung derUnterstützten ist es erst möglich geworden, diese näher kennen zulernen und zu wissen, wen man unterstützt oder versorgt? So ist esdann auch gelungen, die nöthige Zucht und Ordnung in die verpflegtenMassen zu bringen, die häufig boshaften und verwöhnten, ungenügsamenArmen auf ihren innern Werth zu prüfen, die Bettler und Vagabunden,sowie die Trinker wieder zur Enthaltsamkeit, zur Thätigkeit, zur Sittezu bringen. Für manche verkommene verdorbene Menschen, Müssig-gänger und Heuchler sind die Pflegeanstalten schon durch die Aussicht,dahin zu kommen, oder auch durch einen mehr oder weniger langenAufenthalt in denselben die besten Erziehungsschulcn zur Arbeit, zurmoralischen Stärkung geworden, wenn es freilich gewöhnlich auch nurgelingt, die körperliche Arbeitskraft wieder herzustellen und nur beiwenigen auch zugleich die moralische Willenskraft zu stärken.

Dass deshalb die verwöhnten Armen keine besondere Lust tragen,in solche Anstalten verwiesen zu werden, ist begreiflich; gerade dadurchwurden aber viele Unterstützungen schon erspart, welche sonst alsdringend nöthig gefordert und wohl auch erzwungen worden wären. '

Nicht etwa Entbehrungen an der erforderlichen Nahrung oder Pflegeist es, was Viele fürchten, sondern zumeist nur die Nöthigung zu einergeordneten und thäfigen Lebensweise; was ihnen da mangelt, ist derfreie Lauf, um weiter dem Bettel und geistigen Getränke nachzugehen,das aber den meisten solcher Leute in Verfolgung des allgemeinenZweckes und im Interesse einer gewissen Disciplin in einer solchen An-stalt nicht gewährt werden kann.

Neben der Versorgung der gewöhnliehen sogen, öffentlich unter-stützten Armen können ferner grosse Prlegeanstalten vieles zurEntlastung der eigentlichen Krankenhäuser oder Heilspitäler, weiche be-kanntlich ja auch fast immer überfüllt sind, beitragen, indem sie eineReihe von chronischen, gewöhnlich langwierigen, mehr oder weniger un-heilbaren körperlich Kranken aufnehmen: Es sind dies besonders anHerz, Lunge, Magen oder ändern Organen Leidende, vom Schlag ge-rührte, Gelähmte, gewöhnlich Unreine, ferner durch Alter Hilflose,Nervenleidende, Gicht- und Krebskranke und andere entstellende und

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. ^.g