Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
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742
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742 Esohbaclier,

zende Begriffe geworden; sie stammen aus dem Mittelalter, wo Pest undAussatz und andere ekelhafte Krankheiten herrschten, für welche manausserhalb der Städte an ziemlich abgelegenen Plätzen besondere Gebäude,eine Art Absonderungsspitäler errichtete, die man Siechenhäuser nannte.Später gebrauchte man diesen Namen für gemeinsame staatliche Ver-sorgungshäuser, in welchen vorherrschend Missbildete, geistig Defecte undunheilbare Irre der schlimmsten Sorte, deren Anblick mehr abschreckendwirkte, bleibend untergebracht wurden, lange, ehe man die Irrenheil-anstalten als grossartige Schöpfungen unseres Jahrhunderts mit immerhöherem Aufwände entstehen liess. In unserer Zeit der fortgeschrittenenCivilisation findet man aber den Namen Sieche oder Siechenhaus übel-klingend und hart; man nennt deshalb die grossen gemeinsamen Bewahr-anstalten für allerlei Unglückliche, geistig und körperlich fehlerhafte,unbrauchbare Menschen schon mit Rücksicht auf die darin mitverpflegtennormalen kranken und gesunden alten Leute gewöhnlich: (Provinz-, Kreis-,Bezirks-) Pflege-Anstalten.

Den auf den weitesten Grundsätzen der Selbstverwaltung beruhendenKreisverbänden Badens gebührt das Verdienst, in richtiger Erkenntnissder geschilderten Missstände in der Armenpflege in ihrem eigenen Interesseals Landarmenverbände, sowie in Fürsorge für die Kreisgemeinden schonin den 70er Jahren als die Ersten es unternommen zu haben, solchegrosse Armen- oder Pflegeanstalten errichtet zu haben, zuerst in altendafür hergerichteten Gebäuden, später dann mit mehr Vortheil in neu-erbauten, rationell angelegten Gebäude-Oomplexen. Es sind damit, wiewir sehen werden, die in socialer wie finanzieller Hinsicht segensreichsten,im Dienste einer richtigen Armenpflege unentbehrlichsten und zugleichoriginellsten Schöpfungen unserer Zeit ins Leben gerufen worden. Bisdahin kannte man wohl keine Anstalten mit so verschiedenen Zweckenund so gemischter Bevölkerung.

Dass sie einem wirklichen Bedürfnisse in dieser oder ähnlicherForm entsprungen und mit Rücksicht auf die öffentliche Armenpflegeihre Aufgabe richtig erfüllen, beweist der Umstand, dass solche Anstalten,wo sie bisher jetzt bestehen, wie in Baden, Elsass und Würtemberg, stetsangefüllt sind und dass man immer mehr auch in andern Ländern, wie inHessen auch in der Schweiz etc. dringend nach ähnlichen Errichtungen ver-langt, wo jeweils die badischen Muster in Betracht gezogen werden. Siebilden gleichsam die unterste Stufe in der Reihe der Versorgungshäuser,indem sie es als ihre Aufgabe anerkennen, die unbrauchbare Menschheitzu verpflegen, alle diejenigen Armen aufzunehmen und zu behalten, welcheman in Familien und Gemeinden, in Spitälern, Pfrund- und Irrenhäusern,in Gefängnissen odern andern Anstalten nicht haben kann oder will.

3. Zweck- und Aufnahms-Bestimmungen.

Was die speciellen Ziele und Aufgaben der Pflegeanstalten anbe-langt, so geht ihre Absicht dem Zuge unserer Zeit folgend zunächstdahin, in humaner und wohlthätiger Weise besser als bisher für die