Sonderanstalten und Fürsorge für Genesende. 735
Innerhalb der Hospitäler selbst finden wir in Englandungleich mehr durch Anbau von Reconvalescentensälen,Tagesräumen u. s. w. für die Genesenden gesorgt, als bei unsin Deutschland. Als mustergiltiger Neubau, welcher hinreichend der-gestalt Sorge getragen hat, erwähnt Gueterbock u. a. das HerbertHospital zu Woolwich, von Kinderhospitälern das zu Pendieburg,Manchester. (S. auch Revue philantropique 10. Januar 1898.)
Von einem Menschenfreunde in England sind für Errichtung eines„Künstlerheims" — eines Genesungshauses für unbemittelte Künstler —20000 Pfund gespendet worden. Es soll an geeignetem Punkte derRiviera erbaut werden.
Da den Genesenden vorzugsweise reine Luft zugeführt werden soll,pflegt man sie in England auch in einzelnen privaten, geeignet gelegenenWohnungen unterzubringen (System des „boarding-out", namentlich fürKinder, welches nicht, wie unsere Feriencolonien, nur an wenige Sommer-monate gebunden ist). — Zum anderen finden in den Curanstalten derBadeorte namentlich an der See viele Genesende Unterkuft, insonderheitKinder in den Seehospizen.
Schliesslich werden die aus Krankenhäusern Entlassenen von Sama-riter-Hilfsvereinen und zahlreichen Vereinigungen mit Kleidung, Wäsche,Nahrungsmitteln, vor allem aber, wo irgend möglich, mit Arbeit ver-sorgt; zumeist in A^erbindung mit den Krankenhäusern stehend, nehmensich diese Wohlthätigkeitsvereine Kranker wie Genesender in hervor-ragender Weise an.
In Frankreich ist das erste Reconvalescentenhaus schon 1628entstanden; es war ein von einer Wohlthäterin begründetes Asyl für22 Männer, welches allerdings weniger Genesenden, als vielmehr Obdach-losen, der Pflege und Fürsorge Bedürftigen, Unterkunft bot. 1640 wurdeeine Anstalt für weibliche Genesende, das Hotel de Dieu zu Paris, > be-gründet. Mazarin gehörte zu den hervorragenden Gönnern und Be-gründern von Reconvalescentenhäusern.
„Es scheint, dass schon im 18. Jahrhundert alle Pariser Kranken-anstalten besondere Baulichkeiten zur Aufnahme von Reconvalescentenbesassen, theilweise auch die Militärlazarethe mit ihrer Errichtung be-gannen" (Gueterbock).
Mitte der fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts beginnt eine neueEpoche auf dem Gebiete des Reconvalescentenwesens mit der Gründungder Asyle für Genesende zu Vesinet (mit ca. 400 Betten) undVinccnnes (mit über 500 Betten), ersteres für weibliche Kranke be-stimmt. Es sind dies die grössten öffentlichen Genesungsheime der Jetzt-zeit. In Vincennes ordiniren 2 Ober- und 3 (in der Anstalt wohnende)Unterärzte. Die Verpflegung geschieht entweder unentgeltlich (Stiftun-gen etc.-) oder auf eigene Kosten des Reconvalescenten (1 Frank pro Tag)oder wird von Hilfskassen, gewerblichen Verbänden und verwandten Ver-einigungen bestritten (75 — 50 Cts.). „Die Hauptfront der Anstalt Vin-cennes erstreckt sich von Ost nach West am gleichnamigen Parke ent-