Sonderanstalten und Fürsorge für Genesende. 731
auf wenige Wochen, sondern, wie eben in „Sanatorien", auf ziemlichlange Zeit, durchschnittlich 100 Pflegetage. Diese Gesichtspunkte sindbei der Frage der Genesungsheime und der Beurtheilung der von Ver-sicherungsanstalten errichteten Erhohlungsstätten wohl zu berücksichtigen.Es. verhält sich wohl so auch mit den anderen von solchen Anstaltenerbauten Häusern. Das von der Braunschweiger Anstalt in Stiegeerrichtete Genesungsheim ist sogar zumeist Lungenheilstätte, nimmt aberauch Neurastheniker u. s. w. auf, das „Genesungshaus" der Hanno-verschen Anstalt auf dem Königsberge bei Goslar dient jetzt ledig-lich Lungenkranken zum Aufenthalt.
Beiden Anforderungen soll das von der Schlesischen Versicherungs-anstalt in Obernigk für 18—20 Pfleglinge erbaute Haus genügen,indem es Versicherte aufnimmt, a) welche nach Ablauf irgend einer,insbesondere acuten Erkrankung nach Abschluss des eigentlichen Heil-verfahrens nur noch eine mehrwöchentliche Pflege und Schonung untergünstigen hygienischen Verhältnissen bedürfen, um wieder voll arbeits-fähig und genügend widerstandskräftig gegen die gesundheitsschädlichenEinflüsse des Berufes zu werden, z. B. Reconvalescenten nach Lungen-entzündung, Brustfellentzündung, Typhus, acutem Rheumatismus, schwerenEiterungen, Operationen jeder Art u. s. w.
b) Versicherte, deren Leiden weniger eine wirkliche Krankenhaus-behandlung, als vielmehr vorzugsweise nur eine längere Ruhe, passendeDiät, den Aufenthalt in gesunder Luft, vielleicht in Verbindung mitHydrotherapie, Massage u. s. w. zur Heilung verlangen, wie z. B.manche Fälle von Bleichsucht, leichter Neurasthenie etc. (Deutsche med.AVochenschrift No. 26. 1897).
Die Hanseatische Versicherungsanstalt beabsichtigt ebenfalls einGenesungshaus zu erbauen.
Die Anstalt zu Posen schickt, „bis zur Fertigstellung eines eigenenProvinzial - Erholimgsbauses" ihre Reconvalescenten nach dem unterLeitung der Diakonissenanstalt stehenden Genesungshause Lovenitz,Kreis Jarotschin. Das Haus wurde mit grossem Garten und Ackerlandals Restgut eines Ansiedelungs- und Parzellirungsgutes im Jahre 1894angekauft, ausgebaut und im September 1895 als Siechenhaus für dieevangelischen Ansiedler und als Mittelpunkt für ambulante Krankenpflegeeingeweiht. Es liegt ganz auf dem Lande, dicht an der Eisenbahn,freundlich und gesund. Man hatte an einzelnstehende Alte und Siechegedacht, die hier ein friedliches Stilleben führen könnten, aber ausge-schlossen waren solche, für die die Angehörigen und Gemeinden dieFürsorge hätten. Denen sollte die Verpflichtung nicht abgenommenwerden.
Allein den sich erkundigenden Pfleglingen waren die Pflegesätzevon 1—2 M., je nach der Bettenzahl des Zimmers, zu theuer, so dassder Vertrag mit der Versicherungsanstalt dem leerstehenden Hause In-sassen bringen musste.