Sonderanstalten und'Fürsorge für Genesende. 723
Aufnahme; seit 1890 besteht dort auch ein Wöchnerinnenheim unterLeitung einer durchgebildeten Victoriaschwester.
Im Jahre 1895 wurden verpflegt 598 Frauen, darunter 25 Wöch-nerinnen mit 23 Säuglingen; in Heinersdorf 527 Männer. Der täg-liche Kostenaufwand betrug nach dem Rechnungsjahre (Roth. Kreuz, 1896,No. 2) 1893/94 M. 2,20. Man hofft aber bis auf 2 M. gelangen zukönnen.
Zumeist finden Aufnahme Reconvalescenten von Typhus, Bronchitis,Pneumonie, Pleuritis, Rheumatismus und chirurgischen Erkrankungen,namentlich auch Operirte. ■— Von den Frauen sind ein Drittel Blutarmeoder Bleichsüchtige, viele Operirte und auch Hysterische.
Der Aufenthalt ist im Allgemeinen auf 3 Wochen berechnet, kannaber auf 5 verlängert werden. Die Gewichtszunahme bei der Entlassungwird auf 3—4 kg angegeben.
An sich lassen ja wohl seit Weyl's Darlegungen hygienische Be-denken gegen die Lage auf den Rieselfeldern sich nicht vorbringen.Wer indessen einmal an einem sonnigen Sommertage von einem derGüter zum anderen wandelte, dem steigen ebenso wie allerlei „wonne-same Düfte" doch auch mancherlei Bedenken gegen diese Art der Ver-sorgung Genesender auf.
Ausser diesen genannten Heimstätten stellte Justizrath Lazarusder Stadt Berlin sein in prächtigem Parke gelegenes Gutshaus Amalien-hof, y 2 Stunde von Spandau entfernt, für Aufnahme von Genesendenzur Verfügung. Es nimmt je 10 Männer auf 4 Wochen auf. Die Pfleg-linge kommen aus dem Augusta-Hospital. Aufnahmegesuche sind zurichten an den Oberbürgermeister zu Spandau.
Seitens der Stadt Bremen wird unterhalten und fast ausschliesslichbenutzt das Genesungshaus zu Achterberg (Kreis Fallingbostel). —Auch das Adelenstift zu Oslebshausen nimmt Genesende aus Bremen auf.
Das Sanitätsrath Dr. Victor Friedländer'sche Zufluchtshaus' inWeidenhof bei Breslau nimmt grundsätzlich nur Genesende auf, welchespecieller ärztlicher Behandlung oder dauernder Beobachtung nicht mehrbedürfen. — Die Pfleglinge stammen zum grossen Theil aus dem Aller-heiligenhospital; die von aussen kommenden müssen sich bei dem Ober-arzte desselben (innere Abtheilung) mit ärztlichem Zeugniss, Kranken-kassenmitglieder mit Bescheinigung des Eintretens der Kasse für sie,melden. Der Pflegesatz für 1897/98 ist auf 1,50 M. berechnet.
Die Stadtgemeinde Breslau erwarb das Schloss Weidenhof im Jahre1896. Es liegt inmitten der Rieselfelder der Stadt und wurde in geeig-neter AVeise umgebaut. Verschiedene Gründe, insonderheit seine etwassumpfige Umgebung, haben schon vor seinem Ankaufe lebhaften Wider-spruch seitens eines Theiles des Rathes und der Stadtverordneten Bres-laus hervorgerufen gegenüber der Erwerbung. Die Anstalt ist für Auf-stellung von 77 Betten zureichend und zu zwei Dritttheil für männliche,zu einem Dritttheil für weibliche Genesende bestimmt. Wohn- undSpeiseräume sind nach Geschlechtern getrennt. Es bestehen allein