Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
722
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722 E. Flade,

Als Uebergang zu den von staatlicher oder städtischer Seite gegrün-deten Anstalten seien die von solchen Instituten ins Leben gerufenenHeime erwähnt, deren Angehörige meist einige Erholungswochen nöthighaben: von den Diakonissenhäusern. Genannt seien z. B. die inSt. Andreasberg im Harz gelegenen Häuser Elim der Hannoverschen,Jordanshöhe der Braunschweiger Schwestern, Niederlössnitz für die Dres-dener Diakonissenanstalt, Baden-Baden für die des gleichnamigen Landes.Eine mit Lehrinstitut verbundene Stätte ist das Töchterheim des evan-gelischen Diakoni evereins Norderney.

Unternehmungen von Gemeinwesen.

Grössere und kleinere Gemeinden sind es ferner, welche sich dieErrichtung von Genesungshäusern angelegen sein lassen.

Berlin hat 2 städtische Heimstätten für Genesende (s. ausserdemAbschnitt 2 d. 0. Fürsorge für Lungenkranke), und zwar auf den Riesel-gütern, eins im Norden, Blankenburg, eins im Süden der Stadt, Hei-nersdorf. Zunächst sind zwei inmitten von Wald, Aeckern und AViesen be-findliche herrschaftliche Häuser besetzt, doch geht man mit weiterem Bauvon Wohnhäusern um. Aufnahme suchende Kranke, welche bedürftig sind,können Freistellen erhalten. Auf dem Wege der Wohlthätigkeit wirdfür Unbemittelte oder ausgesteuerte Krankenkassenmitglieder gesorgt.Dem Curatorium stehen dafür 2000 M. für jede Station jährlich zur Ver-fügung. Krankenkassen und verwandte Einrichtungen zahlen den Pflege-satz. Täglich werden an die Centralstelie zu Berlin die Berichte überZahl der freien, neu belegbaren Betten gemeldet und dementsprechenddort die, soweit nicht Insassen der Berliner Krankenhäuser in Fragekommen, mit ärztlichem Scheine versehenen Aufnahmegesuche erledigt.Der Transport der Aufzunehmenden erfolgt von der nächstgelegenenBahnstation aus per Wagen durch die Gutsverwaltung. Geisteskranke,Tuberculöse, Syphilitiker und Alkoholiker werden nicht aufgenommen.Das Curatorium setzt sich aus 2 Gliedern des Raths und 3 Stadtverord-neten zusammen.

In dem einen, südlich von Berlin gelegenen Heim, Heinersdorf,finden 60 Männer Unterkunft. Es ist ein grosser Schlafsaal vorhanden,daneben Einzelräume für 25 Betten. Der geräumige Speisesaal dortdient zugleich als Aufenthaltsort bei ungünstiger Witterung; Bücherei,Gesellschaftsspiele stehen zur Benutzung, im Park befindet sich eineKegelbahn. Die Pfleglinge dürfen sich auch ausserhalb des Parkes er-gehen, müssen sich aber zu den Mahlzeiten einfinden. Bei diesen wirdfür Abwechslung möglichst gesorgt, vorzugsweise wird Fleisch und Ge-müse verabreicht. Ein Arzt aus der Nachbarschaft besucht ein biszweimal wöchentlich die Anstalt, zwei Victoriaschwestern mit Hilfs-personal versorgen die Insassen. Für gutes Trinkwasser und Bäder istgesorgt.

In Blankenburg finden im Sommer 70, im Winter 54 Frauen