Sonderanstalten und Fürsorge für Genesende. 721
Es wurde am 1. Mai 1897 eingeweiht und der Pflege männlicher be-dürftiger Genesender überwiesen. Das Genesungsheim Niederndorf wurdealsbald seiner wenig bergigen nnd abgeschlossenen Lage halber zu einerHeimstätte für bedürftige weibliche Genesende umgewandelt und amgleichen Zeitpunkte wieder eröffnet.
Zugleich stiftete der Fürst für dieses Genesungsheim eine neueBibliothek, da die bisher dort befindliche nach Harpersdorf überführtworden war. Das Genesungsheim Niederndorf zählte zunächst 15 Betten,wurde aber bald auf 20 Betten gebracht, und es gestatten die Räumedes Jagdschlosses eine allmähliche Vermehrung der Zahl der Bettenauf 60. Harpersdorf zählt jetzt 15 Betten, die vorhandenen Räume er-lauben auch hier eine Vermehrung der Bettenzahl. — Die Genesungs-häuser stehen zur Verfügung nicht nur für die Arbeiterbevölkerung, son-dern auch für den kleinen Gewerbtreibenden, den selbständigen kleinenHandwerker, den geringer besoldeten Beamten, Lehrer und deren Familien-glieder. Aufnahme kann jeder bedürftige Genesende finden, für welchenpro Tag und Kopf ein Yerpflegungsbeitrag von 2,00 M. sichergestellt ist.Dafür wird gewährt Kost in ausreichender Weise, Wohnung, Wartung undPflege, Wäsche, ärztliche Ueberwachung. Es werden nicht nur Angehörigedes Fürstentimms Reuss j. L., sondern auch, soweit der Platz reicht,Angehörige anderer deutschen Staaten aufgenommen. Für den sehr be-völkerten unterländischen Bezirk des Fürstenthums insbesondere werdenbeide Genesungsheime zu einer grossen Wohlthat; der Fürst Heinrich XIV.hat sich durch Begründung derselben ein bleibendes Denkmal gesetzt.(Volk wohl.)
Eine hervorragende Ausnahmestellung nimmt Harpersdorf geradedadurch ein, dass es auch den Bedürftigen aus dem Mittelstandeoffen steht, für welchen die sociale Gesetzgebung, öffentliche Fürsorge,wie private Wohlthätigkeit bisher nur in verschwindendem Maasse ein-getreten sind.
Zum Schlüsse möge hier noch das grossartige Unternehmen einesMannes genannt werden, dessen Namen wir noch bei den Krankenkassenbegegnen werden. Der Vorsitzende der Leipziger Ortskrankenkasse,Commerzienrath Dr. Willmar Schwabe, hat einen ganzen Badeort, dasAugustusbad bei Radeberg in Sachsen, gekauft, um dort einen Ge-nesungsort für Minderbemittelte zu schaffen, welcher von einem Curato-rium geleitet werden soll. Augustusbad, das älteste sächsische Heilbad,durch Kurfürst August dem Starken dazu ernannt, gegründet im Jahre1719, liegt in einem reizenden Seitenthale des Röderflusses, mitten ineinem ausgedehnten, das lieblichste Gemisch von Laub- und Nadelholzenthaltenden hügeligen Waldparke. Das Bad umfasst 15 Gebäude mitca. 250 Zimmern und einer Badeeinrichtung, bestehend in vier Bade-häusern mit 46 Badezellen, darunter sechs, grosse Moorbadezellen. EinWohngebäude dient seit Jahren als „Bethlehemstift", da die fünf Heilquellenvon Augustusbad besonders auch für schwächliche, bleichsüchtige undskrophulöse Kinder sich vorzüglich bewährt haben.