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unfähig aus den Krankenhäusern Entlassenen eine wöchentliche Unter-stützung im Betrage der Hälfte ihres Tagelohnes zubilligen. Nun lehrtaber die Erfahrung, dass diese an sich schon kaum ausreichende Geld-unterstützung durchaus nicht immer für die Reconvalescenten und ineiner die Genesung derselben fördernden Weise verwendet wird. Beiden Verheiratheten werden die Mittel grösstenteils durch die Anforde-rungen' der Familie absorbirt, während die Ledigen., durch die Unwirtb-iichkeit ihrer Schlafstellen und durch ihre Bescbäftigungslosigkeit verführt,die Tage im Wirthshause zubringen".
Zwischen Krankheit und Arbeit muss eben die Zeit derGenesung treten; sie bedarf gleicher Beachtung, wie jene. In un-zähligen Fällen ist die Heilung eines Kranken nicht beendet, seine Ar-beitsfähigkeit auf die Dauer oder auch nur auf längere Zeit nicht er-reicht, wenn er auch besonderer ärztlicher Behandlung oder einerspeciellcn Cur nicht mehr bedarf. Vielmehr benöthigt er gerade nunerst noch auf Wochen oder .Monate einer Aveitgehenden Schonung undPflege, welche die Vortheile. sichert und festigt, die ihm saohgemässeBehandlung und Curzeit verschafft haben.
Die Vortheile, welche die Krankenhäuser von einer Genesenden-Fürsorgehaben, sind sehr grosse. Schon oben wurde auf die Ueberfüllung hinge-wiesen. Welche Entlastung die Unterbringung der Genesenden in anderen An-stalten für das Mutterhaus bedeutet, zeigt eine Berechnung v. Ziemssen'süber die Münchener Reconvalescentenanstalt. „In den 10 Jahren 1879bis 1888 wurden in derselben 2509 Genesende verpflegt. Dieselbenbeanspruchten eine Verpflegungsdauer von. 61848 Verpflegungstagen. Danach dem Jahresdurchschnitt in unserem Krankenhause auf jeden Krankendurchschnittlich 20 Tage Aufenthalt zu rechnen sind, so hat die Recon-valescentenanstalt in den genannten 10 Jahren dem Krankenhause fürüber 300 Kranke jährlich Platz gemacht. Und das bei einem Beleg-raum von nur 20 Betten! Rechnen wir bei der zu erhoffenden Erweite-rung unseres Betriebes und der Belegung aller unserer 80—100 Bettendieselbe Zahl von Verpflegungstagen auf den einzelnen Reconvalescenten,so wird die Anstalt künftighin, das Vier- bis Fünffache leisten, also denKrankenhäusern Platz für 1200 bis 1500 Kranke schaffen".
Und weiter wird der finanzielle Vortheil erörtert, der sich darbietet,da im Krankenhause der Verpflegungstag 3 Mark kostet, in einem ein-fachen Genesungshause aber nur 2,50 Mark oder, bei geeigneter Wirth-schaft, wie englische Institute lehren, nur 1,50 Mark.
Nach allen Richtungen, sehen wir, ist das Bcdürfniss nach Gene-senden fürsorge vorhanden. Dieses zu befriedigen, muss mit die Aufgabeder nächsten Zukunft sein. Bestehende Anstalten und Einrichtungenbekunden, dass man auf Erfolge und — was heutigen Tages immerhinviel bedeutet — auf Dankbarkeit rechnen kann.