Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Krüppel. 693
trägt einschliesslich vollständiger Verpflegung 120 Mark. Im Jahre 1896befanden sich 21 Zöglinge im Stift.
Seit 1894 ist auch das Oberlinhaus in Nowawes in die Reiheder hierher gehörigen Anstalten getreten. Die Krüppel erhalten jetztdort neben der Verpflegung und ausgiebiger ärztlicher Behandlung Unter-richt im vollständigen Lehrplan der preussischen Volksschule. Ausser-dem erlernen je nach Möglichkeit die Knaben Schneiderei, Kürschnerei,Cigarrenmachen, Teppichzeichnen bei Meistern, welche für sie ausfindig-gemacht werden, oder im Hause Besen- und Bürstenbinden, Stuhlflechtenund Papparbeiten. Die Mädchen werden von den Schwestern in weib-lichen Handarbeiten unterrichtet.
Die Tagesordnung ist für Kinder: Vormittags 8—12 Uhr Schul-unterricht mit einstündiger Pause, Nachmittags 2V 2 Stunden Arbeits-stunde, Turnen und orthopädische Uebungen; für Confirmirte: VormittagsArbeit in der Werkstatt bezw. beim Handwerksmeister mit halbstündigerPause, dann 2 Stunden Mittagspause, Nachmittags Arbeit bis 6 Uhr.
Im November 1896 wurde von der Königin Carola von Sachsennach dem Vorbilde der Münchener Anstalt und mit einem dortselbst aus-gebildeten Lehrer ein Krüppelheim auf dem Trach enberge bei Dres-den eröffnet, zunächst mit 8 Zöglingen. Das Institut ist in einem Pa-villon untergebracht und bietet für 12 Kinder Raum. Eine zweiteAnstalt besteht für Sachsen in Niederlössnitz unter Leitung desDresdener Diaconissenhauses.
Im November 1897 wurde in Hannover eine Krüppelpflegeanstalteröffnet, im Anschluss an die Hannoversche Kinderheilanstalt. DasHannoversche Krüppelheim verfügt über ein grosses Haus, in welchemin hohen hellen Räumen alle in den übrigen Krüppelpflegen gemachtenErfahrungen aufs Sorgsamste benutzt wurden. Das Haus bietet Raumfür 30—40 Pfleglinge. Es kann 15—18 Knaben und ebenso vieleMädchen aufnehm en. Für ausgezeichnete ärztliche und specialärztMcheHilfe ist bestens gesorgt. Neben allen orthopädischen Einrichtungen,welche dazu beitragen können, die Krüppel arbeits- und erwerbsfähigzu machen, ist für ausgiebigen Unterricht in allen Disciplinen der Volks-schule Sorge getragen. Im Jahre 1898 befanden sich 16 Pfleglinge inder Anstalt. Der Pflegesatz ist auf 360 Mark normirt, wird aber unterUmständen auf 300 Mark ermässigt.
In der Vollendung begriffen ist (1898) ein weiteres grosses Krüppcl-heim in Oracau bei Magdeburg. Hier besteht seit 1889 das Siechen-haus Johannisstift, eine Schöpfung des Superintendenten Pfeiffer. Eswird lediglich aus privaten Mitteln erhalten und wird von den Pfleglingennur ein geringer Pflegesatz erhoben. Ursprünglich nur für alte, siechePersonen bestimmt, mussten bald auch Kinder aufgenommen werden.Da unter diesen sehr viele Krüppel sich befanden — im Jahre 1894unter 153 Kindern 31 — beschloss man die Errichtung einer eigenenKinderkrüppel-Erziehungs- und Ausbildungsanstalt. Das Haus ist imRohbau vollendet und wird im Herbst 1898 eröffnet werden. Es bietet