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Raum für 120 verkrüppelte und 40—50 ganz sieche Kinder. AnKrüppeln sind zur Zeit (1898) vorhanden: 11 Männer, 4 Frauen,23 Knaben und 13 Mädchen. Die Kinder werden verpflegt, unterrichtet,erzogen und ärztlich behandelt. Mit dem neueu Hause ist eine vollstän-dige orthopädische Anstalt verbunden. Für die Knaben werden 4—5 ver-schiedene Werkstätten zur Erlernung eines Handwerkes eingerichtet, dieMädchen erlernen Nähen, Stricken, Häkeln und Sticken etc. etc.
Auch sonst beginnt das Interesse für die Krüppel sich zu regen.In Pommern hat das Diaconissenhaus Salem in Neu-Torney beiStettin die Krüppelpflege sich zum Ziele genommen. In der Rh ein -provinz bauen die Diaconissen zu Kreuznach - Sobernheim einKrüppelasyl. Mit dem Gedanken der Fürsorge und der einstweiligenStatistik des Nothstandes der Krüppel beschäftigen sich der Provinzial-verein für innere Mission in der Provinz Westfalen, die Diaconissen inAltona und in Miechowitz in der Provinz Schlesien.
Obwohl nun in Deutschland die Anfänge der Krüppel-Erziehungs-und Ausbildungsanstalten weit zurückreichen, sind sie im Allgemeinenin ihrem Wirken doch nicht so recht in die Oeffentlichkeit und zum Be-wusstsein weiterer Kreise gekommen, und konnten auch den grossen Be-dürfnissen in keiner Weise genügen, sodass es der Gegenwart oder vielmehrder Zukunft anheimfällt, eine ausgiebige Fürsorge für die Krüppel zuentfalten.
Am weitesten vorgeschritten in der Krüppelfürsorge sind zur Zeitdie Nordländer Europas, Dänemark, Schweden, Norwegen undFinnland; in welchen Anfangs der 70er Jahre eine von Deutschlandund den übrigen europäischen Staaten unabhängige Bewegung auftrat,welche einerseits die breiten Schichten des Volkes zum Bewusstsein einerausgiebigen Fürsorge für Krüppel brachte und andererseits diese Auf-gabe in geradezu idealer Weise zu lösen verstand.
Der Vater dieser nordischen Bewegung war der dänische Pfarrei-Hans Knudsen in Copenhagen, der in vieljähriger seelsorgerischerThätigkeit Gelegenheit genug hatte, sich von der Häufigkeit der Ver-krüppelung, von der traurigen Lage und dem socialen Elend der Krüppelzu überzeugen. Auf seine Anregung hin wurde am 21. October 1872in Copenhagen eine Gesellschaft gegründet: Samfundet som antagersig Vanföre og lemloestede Born — Verein, der sich verkrüppelterKinder annimmt. Nicht weniger als 41 verkrüppelte Kinder erhieltenschon im ersten Jahre des Bestehens der Gesellschaft die erforderlicheHilfe. Da die Klientel rasch stieg, war es schon 1873 nothwendig, einePoliklinik für Krüppelkinder zu eröffnen. In derselben wurde ärztlicheHilfe, Bandagen etc. umsonst gegeben. Bald erkannte man, dass damitnur zum geringsten Theile geholfen werde und errichtete deshalb 1875eine Schule für Gelähmte und Einhändige. Man verlegte sich inderselben ausschliesslich auf Handfertigkeitsunterricht. Dies wareine schwierige Aufgabe, da bei der Eigenart der Schüler jeder Arbeits-zweig, welcher als Unterrichtsfach aufgenommen wurde, nicht nur das