Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
692
Einzelbild herunterladen
 

692 Rosenfeld,

brechlicho Knaben ins Leben gerufenen Wilhelmsstift daselbst (er-öffnet 1892).

Die Mutteranstalt wurde als allgemeine Kinderheilanstalt am23. Juli 1841 von dem 1882 verstorbenen Medicinalrath Dr. AugustHermann Werner gegründet. Die Anstalt sollte nach dem Gründungs-plan eine Ergänzung der zahlreichen Kinderrettungsanstalten Württem-bergs sein; sie sollte ausser langwierig kranken, scrophulösen, an Ge-schwüren, Beinfrass und dergleichen Krankheiten leidenden Kindern, denVerkrümmten, Lahmen und Oontracten Hilfe bringen. Neben derAufgabe der Beschaffung der leiblichen Bedürfnisse und der ärztlichenBehandlung hat die Anstalt statutengemäss auch für die Erziehung undBeschäftigung der überwiesenen Kinder zu sorgen.

Um nun neben den allgemeinen Aufgaben, die dauernd krüppelhaftgewordenen Kinder unter kräftiger Pflege und tüchtiger Anleitung er-werbsfähig und zu brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaftzu machen, wurde 1879 eine Zweiganstalt in einem eigenen Hause, aberin unmittelbarer Nähe der Kinderheilanstalt, das Maria Marthastiftals Pfleg- und Beschäftigungsanstalt für gebrechliche Mädchen mit zunächst12 Mädchen eröffnet. Die Frequenz nahm stetig zu, die Uebersicht ergiebt:

im

Jahre

1879

18

Mädchen

im

J ahre

1886

32

Mädchen

n

ii

1880

23

ii

ii

ii

1887

32

ii

11

n

1881

32

ii

ii

ii

1888

31

ii

n

ii

1882

28

ii

ii

ii

1889

32

ii

n

n

1883

31

ii

ii

ii

1890

33

ii

ii

ii

1884

29

ii

ii

ii .

1891

34

ii

n

ii

1885

32

ii

ii

ii

1896

35

ii

Die Räumlichkeiten, welche das Stift inne hat, sind im ersten Stockedes Gebäudes 1 grosses Arbeitszimmer, 1 Schulzimmer, 2 Schlafzimmerfür die Pfleglinge, 2 kleinere Zimmer für die Vorsteherin; im 2. Stock-werk 1 grösseres und 6 kleinere Schlafzimmer.

Das jährliche Verpflegungsgeld für ein Mädchen beträgt 120 Markund kann bei nachgewiesener Bedürftigkeit auf 80 Mark ermässigt wer-den, 3 Bezirke Württembergs verfügen über je 1 Freiplatz. Im ganzenkönnen 85 Mädchen aufgenommen werden.

Zur Aufnahme gelangen Mädchen von 618 Jahren. Sie empfan-gen Schul- und Religionsunterricht und. machen einen vollständigen Lehr-gang in weiblichen Handarbeiten (Nähen, Sticken etc.) durch, sodass siebeim Austritt im Stande sein sollen, ihr Brot selbst zu verdienen. Inärztlicher Hinsicht werden die Mädchen von der Kinderheilanstalt versorgt.Bis zum Jahre 1891 hatten im ganzen 130 Mädchen die Wohlthat desStiftes genossen.

Ganz analog eingerichtet ist das Wilhelmsstift. Es ist bestimmtfür gebrechliche Knaben von 1418 Jahren, welche in einem Hand-werk ausgebildet werden sollen. Von der Gründung (1892) bis zumJahre 1898 wurde lediglich die Schneiderei gelehrt. Das Lehrgeld be-