Sonderlirankenanstalten und Fürsorge für Krüppel. 689
Wie die Räume, so ist auch die Tagesordnung bei Knaben undMädchen gleich. Im Sommer x / 2 6 Uhr, im Winter y 2 7 Uhr Aufstehen,Waschen und Ankleiden; 3 / 4 7—y 4 8 Uhr Lernzeit, dann Frühstück;8—12 Uhr Elementar- und technischer Unterricht, unterbrochen voneiner halbstündigen Frühstückspause, welche unter allen Umständen imFreien, im Hofe oder bei schlechtem Wetter in der Wandelbahn zu-gebracht wird; 12 — 2 Uhr Mittagessen und Aufenthalt im Freien;2—4 Uhr Elementar- und technischer Unterricht, dann y 2 Stunde Ess-pause; a / 2 5—y 2 6 Uhr Turnen; y 2 6—y 4 7 Uhr Lernzeit; x / 4 7 Uhr Abend-essen, dann im Hause oder im Freien Spiele oder Leetüre. An Sonn-tagen Gottesdienst; 3 / 4 9 Uhr Lernzeit; 3 / 4 10 Uhr Frühstückspause; 10 UhrZeichnen; 11 Uhr Mädchenspaziergang; 12 Uhr Mittagessen; 2 Uhr Lern-zeit; 3 Uhr Knabenspaziergang; von 4 Uhr an frei.
Es berührt wohlthuend, dass bei der Tageseintheilung grosses Ge-wicht auf ausgiebige Bewegung im Freien, täglich 2 1 / 2 —3 Stunden,gelegt ist; eine Zeit, welche durch Spiele und dergleichen ausgefülltwird. Ausserdem wirkt segensreich für die armen Krüppel, dass stünd-lich ein Wechsel zwischen Elementar- und technischem Unterricht er-folgt, sowohl Vor- wie Nachmittags.
Die Anstalt bietet ihren Zöglingen den Unterricht der Volksschule,legt aber das Hauptaugenmerk auf die technische Ausbildung für denzukünftigen Beruh Naturgemäss kann diese technische Ausbildung nichtfür alle Knaben die gleiche sein; es bestehen deshalb vier verschiedenetechnische Abtheilungen: eine Schreiberabtheilung, eine für Buchbindereiund Portefeuillearbeiten, eine Schreinerei und seit 1897 auch eineSchneiderabtheilung.
Die Wahl der Abtheilung und somit des künftigen Berufes wird imAllgemeinen den einzelnen Zöglingen anheim gegeben, selbstverständlichunter sachverständiger Rücksichtnahme auf die körperliche und geistigeLeistungsfähigkeit des einzelnen Krüppels. Die Einarmigen, sowohl dieRechts- wie die Links-Einarmigen, werden fasst ausnahmslos der Schreiber-abtheilung zugetheilt, welche sich überhaupt schon wegen der späterengünstigen socialen Stellung des regsten Zuspruchs erfreut. Sehr vielewidmen sich auch der späterhin meist einträglichen Schneiderei. Amwenigsten beliebt ist die Schreinerabtheilung. Alle Restirenden müssendie Buchbinderei- und Portcfeuillearbeiten lernen.
Die Buchbinderabtheilung ist wieder in drei Unterabtheilungen ge-trennt — für Anfänger, Fortgeschrittene und Ausgelcrnte. Die Ver-setzung erfolgt nicht nach der Zeit oder nach Schuljahren, sondernausschliesslich nach den Leistungen. In 15—20 Wochenstunden werdenbetrieben: Schneide- und Stechübungen, Buchbinder-, Cartonnage-, Porte-feuille- und Holzarbeiten.
In der Schreiberabtheilung besteht die Ausbildung in Schönschreiben(deutsche und englische Cursivschrift, Rundschrift, Antiqua und gothischeSchrift), Schnellschreiben, in Geschäftsaufsätzen, Stenographie und Ge-setzeskunde. Eine Specialität der Anstalt ist die Ausbildung in Schreib-