Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
688
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688 Rosenfeld,

König Ludwigs I. von Bayern im Jahre 1838 hatte zur Folge, dass dasPrivatinstitut in eine öffentliche Anstalt umgewandelt wurde mit einerentsprechenden staatlichen Dotation, unter anderem mit 12000 11. ausder französischen Kriegsentschädigung. Am 25. Mai 1814 erfolgte dieEröffnung der staatlichen Anstalt mit 10 Zöglingen. Im Jahre 1856 er-hielt die Anstalt ein eigenes Heim, welches Raum bot für 36 Zöglinge,obwohl in Wirklichkeit aus Mangel an Freiplätzen nur 16 aufgenommenwerden konnten,

Die Zahl der Zöglinge nahm unter fortgesetzter finanzieller Unter-stützung von Seite des Staates die Zöglinge waren und sindalle vollkommen kostenfrei untergebracht stetig zu, so dass imJahre 1876 33 Freiplätze zu besetzen waren.

Bereits 1868 hatte König Ludwig IL zur Erbauung eines neuengrösseren Heims ein Gründkapital und 1873 einen umfangreichen Bau-grund zu diesem Zwecke geschenkt. Im Jahre 1877 konnte das neueHeim in der Klenzestrasse eröffnet werden. Gleichzeitig stieg dieZahl der Freistellen: 1877 wurden sie auf 65, 1882 auf 72 und 1896auf 77 vermehrt.

Einen weiteren Fortschritt machte die Anstalt im Jahre 1893, in-dem die bayerische Regierung einenErweiterungsfonds" schuf zur Er-richtung einer Beschäftigungsanstalt für besonders krüppclhafte Kinderund zur Unterstützung der entlassenen Zöglinge. Diese letztere besteht1. in regelmässigen und ausserordentlichen Geldunterstützungen, 2. inAbnahme und sofortiger Ausbezablung eingesandter Arbeiten und 3. inAbgabe von Arbeitsmaterial und Beschaffung von Werkzeugen.

Die Anstalt selbst, ein stattlicher Bau, ist modern eingerichtet, mithohen licht- und luftreichen Räumen, breiten Corridoren, guter Venti-lation: nirgends ein-Mangel an Raum oder sonstigem Comfort.

Das Institut enthält Souterrain, Hochparterre und zwei Stockwerkein gedoppeltem Flügelbau. Das Souterrain enthält die Küche, die Wasch-und Baderäumlichkeiten; im Hochparterre befindet sich die Wohnungdes Hausmeisters, die Schreinerei und Schneiderei und der grosse ge-räumige Turnsaal. Der erste Stock beherbergt die Knabenabtheilungund die Bureauräume, der zweite in genau entsprechenden Räumen dieMädchenabtheilung und die Privatwohnung des Inspectors. Hinter demHause befindet sich ein sehr grosser Hof mit gärtnerischen Anlagen,Turngeräthen und einer langen gedeckten Wandelbahn, um auch beischlechtem Wetter den Zöglingen den Aufenthalt im Freien zu er-möglichen.

Die einzelnen Abtheilungen für Knaben und Mädchen bestehen inanalogen Räumen aus je einem grossen Schlafsaal für 42 Betten, jeeinem Krankenzimmer für 9 Betten und einem Garderoberaum. Aufden Corridoren vor dem Schlafsaal sind die Waschtoiletten, eine langeReihe von Kippbecken mit laufendem Wasser. Daran schliessen sichan je ein gemeinschaftlicher Esssaal, je ein Lehrsaal für den Elementar-unterricht und je zwei Säle für die technischen Fächer.