Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
687
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Krüppel. 687

In den Jahren 1893 und 1894 baute Nowawes ein eigenes Heimfür die Krüppel und erhielt mit diesem Neubau eine Einrichtung, durchwelche es aus der Reihe der Versorgungsanstalten heraustrat undein Krüppel-Erziehungs- und Lehrinstitut wurde. Es trat damitin eine Categorie von Anstalten, die sich in der Zwischenzeit anderwärtsentwickelt hatten und sich von den bisher geschilderten Versorgungsan-stalten für Verkrüppelte ganz bedeutend unterscheiden.

Unabhängig von allen anderen Einrichtungen hatte sich in Bayernschon im Jahre 1832 eine Anstalt entwickelt, welche frühzeitig, zueiner Zeit, wo sonst noch Niemand daran dachte, erkannt hatte, dassden Krüppeln nicht mit einer Versorgung gedient ist, sondern dass essich für diese Unglücklichen in erster Linie darum handelt, durch spe-ciellen, eigens den Verkrüppelungsformen angepassten technischenUnterricht dahin gebracht zu werden, dass sie selbst in der Lagesind, zu verdienen und so ihre sociale Lage zu verbessern, unabhängigvon dem guten Willen und der Wohlthätigkeit Privater, wie unter Ver-zichtleistung auf die Almosen der staatlichen Armenpflege.

Es ist ein weiteres Verdienst Bayerns, alsbald erkannt zu haben,dass die Fürsorge für die Verkrüppelten nicht in den Händen edel-denkender Privatpersonen oder geistlicher Körperschaften bleiben darf,sondern staatlich organisirt und fmanzirt sein muss, um für die All-gemeinheit gute Früchte zu tragen.

Ins Leben gerufen wurde das bayerische Institut, welches jetzt denNamenKöniglich Bayerische Oentralanstalt für Erziehungund Bildung krüppelbafter Kinder" trägt, im Jahre 1832 inMünchen von einem Privatmanne, dem König!, quiescirten ConservatorJohann Nepomuk Edler von Kurz als eine Erziehungs-, Unterrichts-und Beschäftigungsanstalt für krüppelhafte Knaben. Der Zweck war,Krüppeln, welche infolge ihrer Leiden die öffentliche Schule nicht be-suchen konnten, einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Unterricht zuverschaffen. Zugleich sollten die Kinder zur Erlernung einer bei ihremLeiden möglichen Arbeit angehalten werden, damit sie späterhin ihrBrod, wenigstens zum Theil, selbst verdienen könnten.

Die Gegenstände, deren Anfertigung methodisch gelehrt wurde, warensolche, welche nach den damaligen Zunftgesetzen freigegeben waren,daher, nicht zunftmässig gefertigt wurden, als: Anfertigung verschiedenerMuster zum Ausnähen und Sticken, das Illuminiren von Bilderbogen, dieVerfertigung verschiedener geometrischer Körper, von Malcrpatronen, Mo-dellen von Gebäuden, Möbeln und Geräthschaften, Oartonnage-, Papier-mache-, Massearbeiten, bunten Papieren, wasserdichten Gegenständen,kleinen physikalischen und öconomischen Apparaten, Kinderspielwaaren etc.

Ein Jahr nach der Einrichtung wurde diese praktisch-technischeBildungsanstalt durch die Regierung als eine specielle Handwerker-schule für krüppelhafte Kinder aus allen Theilen Bayerns erklärtund damit staatlich anerkannt.

Zwölf Jahre lam* war die Anstalt in Privathänden. Ein Besuch