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1 (1899)
Entstehung
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11. Sonderkraiikenanstalten und Fürsorge für

Krüppel.

Von

Dr. Kosenfeld in Nürnberg.

Unter Krüppeln verstellt man Menschen, welche durch angeborenenDefect, Missbildung, durch Verlust, Verkrümmung oder Lähmung einzelnerKörpertheile in der Gebrauchsfähigkoit und Beweglichkeit ihrer Glied-maassen beeinträchtigt sind und sich deshalb nicht bewegen, nicht lebenund arbeiten können wie normale Menschen. Es gehören in den Bereichder Krüppel einerseits alle an Folgezuständen von Knochen- und Nerven-erkrankungen, Contracturen und Ankylosen nach Knochentuberculose,Caries, Rhachitis, Poliomyelitis und anderen Erkrankungen des Nerven-systems Leidenden; ferner diejenigen, welche durch äussere Schädlich-keiten und Unfälle, wie schlechtgeheilte Fracturen und Luxationen,Maschinenverletzungen mit grossen Körperdefecten in einem Zustandegänzlicher oder theüweiser Hilflosigkeit sich befinden; schliesslich diegrosse Menge derer, welchen von Geburt Finger, Hände, Arme undBeine fehlen, wie man sie im täglichen Leben nicht allzu selten sieht.

Die Zahl der Krüppel ist keine geringe. Bedauerlicher AVeise fehlenumfangreiche Statistiken. Ein ungefähres Bild giebt die Thatsache, dasses in der Provinz Brandenburg inclusive Berlin bei 4 Millionen Ein-wohnern 1700 Krüppel giebt, darunter 615 Kinder; sowie die Angabe,dass in Finnland die Zahl der Krüppel im Jahre 1889 bei einer Ein-wohnerzahl von 2y 2 Millionen auf 8000 geschätzt wurde. Temminxschätzt, indem er sich auf die in einem kleinen Bezirk von ihm vorge-nommene Zählung stützt, die Zahl der in Deutschland lebenden Krüppelauf 500 000, d. h. 1 pCt. der Gesammtbevölkerung. Nimmt man nunan, dass von diesen 500 000 Krüppeln weitaus der grösste Theil erwerbs-fähig oder reich ist, und das nur etwa 5 pCt., das sind 25 000, ver-mögenslos und arm sind, so bedeutet dies, den Arbeitswerth pro Kopfund Jahr auf 1000 Mark angenommen, einen Verlust an Nationalver-mögen von 25 Millionen Mark. Dazu kommen noch die Unterhaltungs-kosten derselben Krüppel, auf 500 Mark pro Kopf und Jahr angenommen,gleich 12 Millionen Mark, welche von den Besitzenden in Form vonArmenunterstützungen aufgebracht werden müssen!