Sonderltrankenanstalten und Fürsorge für Taubstumme. 675
In Schweden wandte Dr. Saeve dasselbe Verfahren 1828 in Ver-bindung mit Elektricität mit angeblich gutem Erfolge an.
Im Jahre 1835 hat Dr. Barries aus Hamburg Versuche im BerlinerTaubstummeninstitut angestellt. Nach seiner Angabe hat er 14 Taub-stumme wieder hörend gemacht, nach der Angabe des Ministeriums aberhaben die Versuche zu keinem Resultat geführt und wurden deshalb ver-boten. Barries wandte ausser Hörübungen, denen wohl die meistenanscheinenden Resultate zu verdanken sind, den elektrischen Strom an,indem er den Elektroden die Form von hufeisenförmigen Magneten gab,die auf einen bestimmten Ton abgestimmt waren und deren einer ver-längerter Schenkel in den äusseren Gehörgang eingeführt wurde. Erbehauptete nämlich, dass jeder Taubstumme noch einen Ton hörenkönne; es käme darauf an, diesen Ton zu finden und dann die betreffen-den Stimmgabeln als Magnete zu benutzen. — So abenteuerlich dieserGedanke nun auf den ersten Anblick scheinen mag, so stimmt seineGrundlage doch auffällig mit Stimmgabelversuchen überein, die kürzlichin Nürnberg mitgetheilt wurden. Die praktische Schlussfolgerung dürftenicht so ohne weiteres gerechtfertigt erscheinen, zumal die BehauptungenDr. Barries' jeden Beweises entbehrten. Die Endresultate seiner Heil-versucho waren jedenfalls negativ.
Endlich erwähne ich noch kurz, dass im Jahre 1852 Dr. Blanchetim Pariser Taubstummeninstitut ähnliche Gehörübungen anstellte, wieItard, dass aber die Resultate offenbar nicht derart waren, dass manzu weiteren Versuchen ermuthigt worden wäre. Jedenfalls war dies dasResultat mehrerer Commissionsberichte und einer sehr hitzigen Diskussionin der Pariser Akademie.
Vor ca. 3 Jahren wurde nun wieder von Frankreich aus ein Hör-rohr durch einen Abbe Verrier empfohlen, das geeignet sein sollte, alsUebungsinstrument für Gehörserweckung und Gehörsbesserung bei Taub-stummen zu wirken. Wegen der auffallenden Erfolge, die sowohl 'vondem Erfinder als von zweifellos vorurtheilslosen Sachverständigen berichtetwurden, hat man auch in Deutschland ausgedehnte Versuche mit demHörrohr angestellt. Das Gesammtresultat war, um es kurz zu sagen:es stellte sich heraus, dass in einzelnen Fällen Erfolge erzielt wurden,die sich schliesslich als Selbsttäuschung entpuppten. Selbst erfahreneTaubstummenlehrer wurden zuerst getäuscht. Mein Vater, Albert Gutz-mann, der auf eine 30 jährige Erfahrung als Taubstummenlehrer zu-rücksehen kann, liess sich gleichfalls im Anfange seiner Versuche täuschen.Worauf diese Täuschungen beruhten, darauf will ich hier nicht nähereingehen; jedenfalls ist von Seiten der deutschen Taubstummenlehrerübereinstimmend festgestellt worden, dass das Verrier'sche Hörrohr beiden wirklich Taubstummen nichts nützt.
Kürzlich hat Urbantschitsch in der „Wiener klinischen Wochen-schrift" über die Möglichkeit berichtet: „Durch acustische Uebungenauffällige Hörerfolge auch an solchen Taubstummen zu erreichen, diebisher für hoffnungslos taub gehalten wurden". U. hat die Uebungen