Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Taubstumme. 673
werden, treten sie als gesonderter Lehrgegenstand erst in den oberenOlassen auf.
Aei den Aufsatzübungen handelt es sich vornehmlich um dieFertigkeit, Briefe, sowie die gewöhnlichen Geschäftsaufsätze in der ge-hörigen Form anzufertigen. Ausserdem werden die Schüler in derWiedergabe von Erzählungen, Beschreibungen, Schilderungen, u. s. w. ge-übt, desgleichen zum Reproduoiren geeigneter und bereits bekannterLesestücke angehalten.
Hierher gehört auch die Führung eines Tagebuches vom drittenSchuljahre an, zweimal wöchentlich.
Jedem Aufsatze und jeder Eintragung ins Tagebuch geht sorgfältigeVorbereitung seitens des Lehrers voran. Je länger, je mehr ist dieSelbstständigkeit der Schüler zu erzielen.
Eigentliche Aufsätze werden erst im sechsten, siebenten und achtenSchuljahre angefertigt und sind zur Vorbereitung und Besprechung der-selben wöchentlich zwei Stunden zu ertheilen. In der Regel wird alle14 Tage ein Aufsatz abgegeben.
Schlussbemerkung: Am Ziele des Sprachunterichts soll der'Taub-stumme dahin gelangt sein,
1. dass er sich über die Dinge seines Lebenskreises und über alles,was sich in demselben ereignet, auch über innere Zustände, Beobachtungen,Erfahrungen, Erlebnisse u. s. w., wenn auch nicht frei von Fehlern, sodoch für andere verständlich, mündlich und schriftlich ausdrücken unddemnach einen geordneten Aufsatz über bekannte Gegenstände an-fertigen kann,
2. dass er im Stande ist, mündliche und schriftliche Mittheilungenüber Gegenstände seines Lebenskreises zu verstehen und sich namentlichdurch Lesen selbst weiter zu unterrichten.
Es erübrigt noch, in Bezug auf die Fürsorge für die Taubstummenauf einige rein ärztliche Gesichtspunkte näher einzugehen. Zunächst istes bekannt, dass von den taubstummen Kindern in Taubstummen-anstalten doch immer nur ein verhältnissmässig geringer Theil gar nichtshört. Eine gewisse Anzahl vermögen noch Schallwahrnehmungen . zumachen, andere unterscheiden noch einzelne Vokale, andere endlich sogarsind noch im Stande, bei lautem Sprechen Worte oder kleine Sätzchendurch das Ohr aufzufassen. Es ist deswegen bei der unterrichtlichenErziehung der Taubstummen ganz natürlich, dass diese Hörreste, soweitsie benutzbar sind, für den Unterricht verwertriet werden, und ich habebei den vielfachen Berührungen, die ich mit den Taubstummen und Taub-stummenanstalten hatte, stets gesehen, dass das Gehör zur Erzielungder Sprache stets benutzt wurde, soweit das überhaupt möglich war.In neuerer Zeit sind nun die von Itard schon im Anfange dieses Jahr-hunderts aufgenommenen Hörübungen für Taubstumme wieder neu em-pfohlen worden. Im Jahre 1805 begann Itard seine Versuche an12 Zöglingen des Pariser Instituts. Schmalz giebt aus Itard's Werkenfolgenden Bericht: Er wandte zuerst die durchdringendsten Töne an,