Sonderkrankerianstalteri und Fürsorge für Kinder. 637
Das Krankenmaterial. Aufgenommen werden Kinder von l 1 /*bis 14 Jahren; dieselben tragen waschbare Anstaltskleidung, was sehrzu empfehlen ist, auch wenn es den Betrieb vertheuert. Das bisherigeKrankenmaterial zeigte vorzugsweise zwei Gruppen:
1. schlecht genährte kränkliche Kinder armer Leute, zurückgebliebenin Folge ungenügender Ernährung, Wohnung und mangelnder Pflege,Rachitis, Atrophie, Anämie, verdächtige Katarrhe. Scrophulose, Knochen-tuberculose bilden hier das Haupkontingent;
2. blasse, reizbare Kinder aus vermögenden Familien, vielfach mit:Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit, Kopfweh, Schlaflosigkeit be-haftet, in Folge fehlerhafter Erziehung und übereifriger falscher Fürsorgeder allzu ängstlichen Eltern.
Daneben Reconvalescenten von Typhus, Diphtherie, Scharlach (nachder Abschuppung) und Herzfehlerkranke.
Erfolge. Abgesehen von den Herzfehlerkranken, die sich nursubjectiv wohler fühlten, waren die Erfolge des Anstaltsaufenthalts über-raschend. Vor Allem wirkt hier wohl das regelmässige Leben, das guteEssen, die Reinlichkeit und der erzieherische Einfluss; daneben abhärtenddie Wassercuren, appetitanregend die Soolbäder, der ständige Aufenthaltim Freien mit allgemeinen Spielen, die, gegenüber häuslichen Verhält-nissen, viel kühleren, gut durchlüfteten Betten. Nicht zum mindestenvielleicht auch wirkt der Einfluss des gemeinsamen heiteren Lebens untervielen Kindern anregend.
Die Kinder bekommen in Folge dessen schon nach wenigen Tagenein anderes Aussehen, fast alle essen nach wenigen Tagen gut, dieRachitischen verlieren ihre Unlust, ihre Krämpfe, die Gelenkschmerzenund den dicken Leib, bekommen festeres Fleisch, lernen schnell sitzenund stehen. Die Darmkatarrhe und Magenbeschwerden verschwindenunter der regelmässigen Diät rasch, zugleich die Blässe und Kopf-schmerzen und die choreatische Unruhe. Scrophulose Ausschläge heilenschnell und auch die chronischen Lungenkatarrhe verschwanden bald zuunserer Freude. Der Aufenthalt betrug meist 4 Wochen, oft länger.In diesen 4 Wochen nehmen die Kinder 1—2 kg an Körpergewicht zuvermuthlich noch mehr an festen Bestandtheilen, und verlieren anWassergehalt. — Daneben gewinnen viele an Munterkeit und Frische.Der Nutzen ist vielfach ein bleibender und noch nach Jahresfrist zu er-kennender, aus gleichen Gründen wie bei den Feriencolonisten. Nur ineinzelnen Fällen, bei sehr kurzem Anstaltsaufenthalt und sehr ungünstigenhäuslichen Verhältnissen, gingen die Kinder zu Hause wieder in ihremWohlbefinden zurück. Die Anstalt ist auch im Winter geöffnet und kannmit den Erfolgen zufrieden sein.
b) Feriencolonien, Soole- und Seebäder im Ausland.
Die Feriencolonien haben auch in Frankreich Aufnahme ge-funden, die Erfolge scheinen befriedigend, die Ausgaben höher alsbei uns (2—4 Francs) Auch in England hat die Ferienversorgung