Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
638
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638 C. Schmid-Monnard,

sich heimisch gemacht; 1896 wurden 28733 Kinder nach 8530 Ortenin die Sommerfrische geschickt. Eine Besonderheit bieten sie nurim Lande ihrer Entstehung, in der Schweiz, wo das Höhenklimaals Heilfactor benutzt wird, die Höhendifferenz der meisten Ourorteuntereinander betrug 400600 Meter, fast alle liegen in der Regiondes subalpinen Klimas 5001000 Meter über dem Meer. Für Mädchenund zarte Kinder werden möglichst niedriger gelegene Orte gewählt.In diesen Höhencurorten der Schweiz wurden 1893 1400 Kinder ver-pflegt. Nachrichten liegen vor von der Erholungsstation Schwäbrich,welche das ganze Jahr hindurch offen ist, und von der ZellwegerschenKindercuranstalt in Trogen bei St. Gallen, 905 Meter hoch. Für Blut-arme werden gute Erfolge angegeben; eine Contraindication bildet Herz-leiden. An Soolebädern ist das Ausland nicht so reich wie wir, destomehr hat es seine Küsten*ausgenutzt. Allen voran England, welchesschon Ende des vorigen Jahrhunderts in Margate ein Hospital errichtete.Alle diese Einrichtungen verdankt das Land einer grossartigen Privat-wohlthätigkeit. Dabei werden die englischen Hospitäler mit mehr Com-fort eingerichtet als unsere; theilweise sogar mit unnöthiger A r erschwen-dung. Meist aber handelt es sich dort bei den Erholungsstätten an derKüste um einfache Unterkünfte (Convalescent houses), ohne ärztlicheAufsicht, bei denen nicht einmal die Seebadegelcgenheit immer aus-genutzt wird, sondern wo der Aufenthalt in der Seeluft den Heilfactordarstellt. Sie ergänzen in dieser Weise die Hospitalcur. 1881 gab es157 solcher Häuser mit 5248 Betten, von denen 46 auch Kinder auf-nahmen. 33 Anstalten befanden sich an der Küste. In den auschliess-lich für Kinder bestehenden Anstalten waren 491 Betten.

In New-York besteht in der gleichen Absicht, den Kindern dieSeeluft zu Gute kommen zu lassen, die Einrichtung, auf einem grösserenDampfer täglich 1001500 Kinder ins Meer hinausfahren zu lassen.

Italien hat eine grosse Anzahl Seehospize für Kinder; das erste1856 in Yiareggio, 1857 ca. 20; in denen von 18561882 52000 Kinderverpflegt wurden.

Die Fürsorge für diese Unternehmungen liegt in der Hand vonstädtischen Localcomites, welche die Mitteln sammeln, die bedürftigenKinder auswählen und in die Küstenheilanstalten schicken. Da, ausserin Palermo, keine Wintercuren unternommen werden und die Saison nurvom halben Juni bis halben September dauert, innerhalb deren die Kinderzwei bis dreimal wechseln, kann von ausgiebigen Erfolgen bei Scrophuloseund Tuberculose nicht die Rede sein. Ausserdem werden grössereoperative Eingriffe in diesen Hospizen nicht gemacht. So giebt Loanobei Genua seine Geheilten mit 24 pOt., seine Gebesserten mit 50 pCt.an; für die Pfleglinge der Stadt Como in deren Hospizen werden 33 pCt.Heilung und 56 pOt. Gebesserte gemeldet. Allerdings zeigt sich einegünstige Nachwirkung der Cur, indem viele Gebesserte bald zu Hauseheilen. Am günstigsten waren die Erfolge bei torpider Scrophulose; überHeilung von Lungenaffectionen lauten die Berichte widersprechend.