Sonderkranlienanstalten und Fürsorge für Kinder. 619
B. Fürsorge für ältere Kinder.I. Bas Kinderkrankenhaus.
]. Die Bedürfnissfrage.
Die Notwendigkeit, Kinder im Krankenhaus zu behandeln, tritthäufig ein. Vielfach stellen die Krankheiten (z. ß. chirurgische undDiphtherie) Anforderungen an die Pflege, denen die häusliche Pflege nichtgenügen kann. Die Zweckmässigkeit besonderer Krankenhäuser fürKinder ist bei uns erst in neuerer Zeit gewürdigt worden. Die Gesichts-punkte, welche für eine besonders geartete Pflege der Kinder und eineeigenthümliche Bauart der Kinderspitäler maassgebend geworden sind,haben wir gewonnen an den schlechten Erfahrungen der viel älterenEinrichtungen des Auslandes. Es hat sich als Besonderheit der kind-lichen Krankenpflege ergeben, dass das Kind in hohem Maasse einerindividualisirenden Pflege bedarf, in Bezug auf Abwartung und auf Er-nährung. In Folge dessen ist ein reichlicheres Pflegepersonal nöthig.Daher die Nothwendigkeit nicht zu grosser Krankensäle, um die Indivi-dualisirung der Pflege nicht unmöglich zu machen und um die Kinderdurch lange Dauer der Besuchsgänge im Saal nicht zu beunruhigen.
Ferner ist nöthig die Bereitschaft vieler kleiner Räume, mit Rück-sicht auf die Gontagiosität einzelner Fälle. Die Durchführung der Iso-lirung der verschiedenen ansteckenden Krankheiten in Anbetracht derausserordentlich grossen Empfänüjickeit des Kindes für Infection.
Aus gleichem Grunde hat sich auch die Fernhaltung der Aufnahme-station und der Ambulanz von dem sonstigen Krankenhaus betriebwünschenswert gemacht, möglichst mit Einrichtung besonderer Zimmerfür ansteckende Kranke (Keuchhusten) innerhalb der Aufnahme- undAmbulanzräume.
2. Geschichtliches.
Das älteste und noch heute grösste Kinderhospital Europas entstandin Paris 1802 mit ca. 700 Betten.
Zu gleicher Zeit waren poliklinische Institute in London (seit 1769)und Wien (seit 1787) thätig.
Es folgten die Krankenhäuser
1824 in St. Petersburg und in Breslau,1843—47 Berlin, Frankfurt a, M., München, Oassel,1854 Karlsruhe,1853 Heidelberg,1863 Dresden, Leipzig u. s. w.Die meisten gingen aus kleinen Anfängen hervor, mit wenigen(4—8) Betten in gemietheten Räumen, durch freiwillige Beiträge Privaterunterhalten. Fast alle blieben lebensfähig.
1868 (Steffen) besassen von sämmtlichen deutschsprachigen Uni-