620 C. Schmid-Monnard,
versitäten nur Berlin, Leipzig, München, Würzburg, Prag und Wien eineKinderklinik.
Nur in Berlin und Würzburg waren dieselben ein Theil der Uni-versität, in den übrigen Städten Privatunternehmungen. An den übrigendeutschen Universitäten gab es damals überhaupt keine Kinderkliniken.
Die ältesten Hospitäler (z. B. in Paris) waren ein einheitlicher Bau.
Das Zerstreuungssystem im Barackenstil wurde in mustergültigerWeise zuerst durchgeführt 1869 im St. Petersburger Kinderkrankenhausdes Prinzen von Oldenburg unter Rauchfuss' Leitung.
3. Der Bau.
Allgemeine Grundsätze. Lage, Umfang, Bauart, Bettenzahl,Luftraum.
Ein Kinderkrankenhaus soll möglichst an der Peripherie der Stadtliegen in ruhiger Gegend, in unverdorbener Luft. Rauchfuss berechnetauf 1CT000 Einwohner 10 Betten mit jährlich 70 stationären Krankenund 600 Ambulanten als Bedürfniss. In der Thai aber entsprechen dievorhandenen Anstalten diesem Verhältniss nicht. Ein Kinderkranken-haus soll nicht über 250 Betten haben, um übersichtlich für die Leitungzu bleiben.
Bauart. Man baut am besten für nicht ansteckende Krankheitenein geschlossenes, mehrstöckiges Haupthaus, für ansteckende Krankheitenisoiirte, ebenerdige Baracken oder mehrstöckige Pavillons. Bei der Ein-thcilung rechne man auf l / 3 acute Exantheme, und etwas mehr innereals äussere Kranke. 1896 war im Leipziger neuen Kinderkrankenhauscdie innere Abtheilung ca. 6 mal so gross wie die äussere; die Hälfteder innerlichen Krankheiten waren infectiöscr Natur, darunter überwiegendDiphtherie. Bei einzelnen Pavillons rechnet Rauchfuss 150 qm proBett für den ganzen Bauplan. In Leipzig kommen ca. 100 belegteBetten auf 9000 qm = 90 qm pro Bett. Die Gebäude selbst sollenzu stehen kommen auf Baugrund bester Art, mit vollständiger Isolirunggegen den Untergrund; möglichst nur mit Parterrestockwerk wegen Be-nutzung des Gartens. Die Orientirung der Krankensäle Süd-Ost, damitdie Sonne früh nicht mangle und Nachmittags nicht zu lange verweile,sodass die Säle gegen Abend abkühlen können. Die Säle nicht über16 Betten, zur Ermöglichung individualisirender Behandlung und Ver-meidung von Beunruhigung der Kinder, daneben kleine Säle mit 4—8 Bettenfür schwerer Kranke.
Der Luftraum im Zimmer darf nicht zu klein sein, denn das Luft-bedürfniss der Kinder ist ein verhältnissmässig grosses und ausser denkranken Kindern sind noch Wärterinnen im Zimmer. Für Reconvalescentegenügen grössere Räume mit etwas geringerem Luftcubus, weil jeneKinder Tags im Freien sein können. Lavoisier stellte als wünschens-werth auf den Luftcubus von 52 cbm. Hinreichend erscheinen 40 cbm,was einer Zimmerhöhe von 4 m und einer Bodenfiäche von 10 qm ent-spricht. Die ^tatsächlichen Verhältnisse in Kinderkrankenhäusern sind