616 C. Schmid-Monnard,
2. Vergleich der Säuglingssterblichkeit des Auslandes mitderjenigen Deutschlands.
Während, wie wir sahen, im Ausland die officielle Säuglingspflegeeinen so ausserordentlichen Umfang besitzt und während dort mit demEindringen ärztlicher Sachkenntniss und Erfahrung die Säuglingssterb-lichkeit ausserordentlich sinkt, steht man in Deutschland einer Verall-gemeinerung der Säuglingsfürsorge noch theilweise ablehnend gegenüberund nur einzelne deutsche Einrichtungen, wie die Leipziger Haltekinder-pflege, das Breslauer Kinderheim, die Säuglingsabtheilung am Kaiserund Kaiserin Friedrich Krankenhaus zeigen, was etwa geleistet werdenkönnte. Die ungünstigsten Folgen davon auf unsere all-gemeine Säuglingssterblichkeit sind nicht zu verkennen.
Beim Vergleich steht Deutschland ungünstiger da als andereLänder.
Es starben von 100 Kindern im ersten Lebensjahr 1885—1887 inGruppen grösserer Städte:
Deutschland östlich der Elbe und südlich des
Mains ............ 26
Ungarn ............. 26
Rheinisch-westfälisch-hessisches Gebiet . . .21
Italien............. 19
Frankreich, Belgien......... 18
England ............. 16
Schweden ............ 14
Noch ungünstiger stellt sich für uns der Vergleich der Staaten:
Württemberg ........... 31
Sachsen ............. 28
Russland ..........: . 27
Oesterreich ............ 26
Preussen ............ 21
Italien ............. 21
Frankreich, Belgien......... 17
England ............. 15
Schweden . . . ......... 13
Norwegen ............ 10
Solche Differenzen, sagt Rahts, lassen sich lediglich aus der Be-schaffenheit der Kindernahrung nicht erklären.
Denn auch in Frankreich soll das Selbststillen der Mutterselten sein.
Dass die Säuglingssterblichkeit nicht immer parallel geht mit derZahl der unehelichen Geburten, zeigt Paris mit 28—29 pOt. unehelicherKinder und seiner trotzdem geringen Kindersterblichkeit (ca. 10 pCt. gegenca. 24 pOt. in Berlin).
Auch nicht die Industrie allein macht es, denn in dem industriollen