Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
608
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608 C. Schmid-Monnard,

gefolgt ist, wenn man nicht ein reichliches, verständnissvolles und gutgeschultes Wartepersonal hat.

Unter Durchschnittsverhältnissen aber sind bessere Erfolge nur dazu erzielen, wo die Kinder in Asylen von Ammen verpflegt werden, undgute Erfolge nur da, wo die Kinder rasch nach 12 Tagen in dieAussenpflege gegeben werden.

3. Krippen.

Gegen die Krippen, in denen Säuglinge von Müttern, die aufArbeit gehen, nur am Tage verpflegt werden, sprechen der gleiche Grundund auch die Gefahren des Transports des Kindes von und zur eiterlichenWohnung bei jedem Wetter.

Wie leicht eine «Krippe Gefahren der Infection von aussen ausgesetztist bei ungenügender Controlle und wie andrerseits auch hier recht guteErfolge zu erzielen sind mit Hilfe verständiger Pflegerinnen, zeigt nebenanderen die städtische Krippe zu Dessau. Die Anstalt verpflegtgesunde Kinder von 9 Tagen bis 3 Jahren, deren Mütter auf Arbeitgehen.

Die Kinder bleiben meist nur Tags da, doch zeitweise 4-10 Kinderauch bei Nacht. Besorgt wurden sie von einer Schwester und einemMädchen. Die Küchen- und Hausarbeiten lagen in anderen Händen.Etwa 1868 auf Anregung Ihrer kgl. Hoheit der Frau Herzogin von An-halt gegründet, hatte die Anstalt bis zum Herbst 1892 mehrfach unterEinschleppung von Diphtherie und Scharlach zn leiden, wohl Mangelsungenügender Controlle, und. musste deshalb vorübergehend geschlossenwerden. Mit Eintritt einer neuen Schwester blieben während derenThätigkeit innerhalb 3 1 / i Jahren diese Unannehmlichkeiten ganz fort.Von den während dieser Zeit verpflegten ca. 60 Kindern, von denen derdritte Theil unter einem Jahr alt war, starb nur ein einziges, am Stimm-ritzenkrampf. Verdauungsstörungen wurden bei der reinlichenMilchbereitungnur selten beobachtet. Erkrankungen, die auf den Transport der Kindervon und nach der Anstalt zurückzuführen wären, wurden kaum beob-achtet.

Es hängt somit auch hier der Erfolg wesentlich von der Person derPflegerin ab wohingegen zweifellos eine Krippe in ungeeigneten Händenein gefährliches Ding ist.

Alle deutschen Krippen haben den Nachtheil, dass sie nicht, wiedie französischen Krippen, die Mütter veranlassen, ihre Kinder selbst zustillen, sondern dass sie die ihnen anvertrauten Säuglinge künstlich er-nähren. Aus diesem Grunde werden unsere Krippen mit ihrer bisherigenErnährungsweise keine grosse Bedeutung erlangen. Die in Berlin vor-handenen 2 Krippen beherbergen täglich nur 2025 resp. 67 Kinderund kommen also für die Zahl der versorgungsbedürftigen BerlinerSäuglinge nicht in Betracht.

Zur Erbauung eines Eindelhauses ist es in Deutschland noch nichtgekommen, obwohl bereits 1848 in Berlin ca. 25 000 Thaler für diesen