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Zustand fand durch die ineinander greifenden Forschungen beider Zweig-wissenschaften innerhalb weniger Jahrzehnte eine geradezu erstaunlicheVertiefung. Und als die Antiseptik zu Anfang der 70 er Jahre ihrenerlösenden Einzug in die geburtshilflichen Kliniken hielt, da wuchsenplötzlich auch der Gynäkologie Flügel. Fussend auf dem schon er-rungenen wohlgegründeten Wissen konnte sie es nun unter dem Schutzder Antiseptik und Aseptik wagen, zur Beseitigung vieler Frauenleiden,denen sie bisher mit gebundenen Händen gegenüber gestanden hatte,chirurgische Bahnen einzuschlagen. Wohl mag in dieser Entwicklungs-Richtung der gynäkologischen Therapie hie und da über das Ziel hinaus-geschossen sein, — Thatsache aber ist es, dass die Gynäkologie ebendank dieser Richtung sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer Voll-endung emporgeschwungen hat, dass man heute mit berechtigtem Stolzrühmen darf, es giebt nur noch wenige Frauenleiden, die man nicht inihrem tiefsten Grunde zu verstehen und dementsprechend rationell underfolgreich zu behandeln gelernt hätte. Kein Wunder, dass Hand inHand mit der so gewonnenen Sicherheit der gebotenen Hilfe auch dasVertrauen und der Andrang des hilfsbedürftigen Publikums zu den ge-burtshilflich-gynäkologischen Kliniken in rapider AVeise wuchs. Zu engwurden die alten so bescheidenen geburtshilflichen Schulen und an ihrerStelle erhoben sich in den letzten 25 Jahren an fast sämmtlichen deutschenUniversitäten neue Frauenkliniken, die ihrer geburtshilflich-gynäkologischenDoppelaufgabc und den geläuterten Forderungen der Hygiene und Aseptikentsprechend als wahre Paläste mit dem ganzen Raffinement modernerBautechnik errichtet wurden und die, je jüngeren Datums sie sind, umso vollkommener allen an sie zu stellenden Anforderungen gerechtwerden. In neuester Zeit haben auch einige Provinzial-Hebammenlehr-anstalten — Köln, Magdeburg und andere — damit begonnen, nebender geburtshilflichen eine gynäkologische Abtheilung einzurichten. Ichhalte mit meinem Urtheil darüber zurück, ob diese Einrichtung zweck-mässig und den Aufgaben der Hebammenschulen entsprechend ist. Nurso viel will ich bemerken, dass es bei dem geringen geistigen Verdauungs-vermögen der Mehrzahl der heutigen Hebammenschülerinnen nicht unbe-denklich erscheint, neben den Grundzügen der geburtshilflichen Wissen-schaft auch gynäkologische Brocken denselben znmuthen zu wollen. Ingrosser Menge sind in den letzten zwei Jahrzehnten grössere und kleineregynäkologische Privatkliniken in ganz Deutschland von specialistisch inder Geburtshilfe und Gynäkologie durchgebildeten Aerzten errichtetworden. Keine grössere Stadt, ja kaum noch eine der kleineren Mittel-städte, ermangelt eines solchen Institutes. Trotz all' des reichen hier-mit gegebenen Angebotes gynäkologischer Hilfe will es mir aber den-noch scheinen, als klaffe auf gynäkologischem Gebiete in der öffentlichenWohlfahrtspflege noch immer eine handgreifliche Lücke! Privatklinikensind nur selten in der Lage, der grossen Menge armer und ärmererWeiber zu so niedrigen Honorarsätzen Hilfe bieten zu können, wie esder mangelnden pecuniären Leistungsfähigkeit derselben entspricht. Hier