Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
598
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598 Brennecke,

für Sorge zu tragen, dass eine dem Bedürfniss entsprechende Zahl vongeschulten Wochenpflegerinnen" im Kreise disponibel ist. Wird dieHülfe derHelferin" in Anspruch genommen, sei es durch Vermittelungder Hebamme oder direct von der zu Entbindenden, so hat dieHelferin"das Recht und die Pflicht, sich persönlich über die häuslichen Verhält-nisse der Hilfesuchenden zu orientiren und dementsprechend ihre An-ordnungen nach allen oben erwähnten Richtungen hin zu treffen. Dieaus der Unterstützung ärmerer Familien erwachsenden Kosten sind ausöffentlichen Mitteln zu decken. Um einen regelmässigen Austauschder in der Praxis gemachton Erfahrungen zu ermöglichen, haben dieHelferinnen" jährlich zweimal an den unter Vorsitz des Kreisphysicusbezw. eines stellvertretenden Arztes stattfindenden Versammlungen desHebammenkreisverbandes theilzunehmen.

Ein Eingreifen der Gesetzgebung über diese Forderungen hinausscheint mir zur Zeit kaum geboten. Mit einer Hebammen- undHelferinnenordnung im vorstehend skizzirten Sinne würdendie Grundlagen zu einer gedeihlichen organischen Fortent-wickelung der Geburts- und Wochenbetthygieine gewonnensein, zu einer Fortentwickelung, die sich mit Notwendig-keit in Richtung der Wöchnerinnenasyle wird bewegen müssen.Das Zusammenarbeiten eines in seinem Bildungsniveau gehobenen, ingesicherter Stellung prakticirenden Hebammenstandes mit einer Frauen-genossenschaft, die sich für das Wohl und Wehe der ärmeren Volks-kreise mit verantwortlich weiss, wird schon dafür Sorge tragen, dasssich in immer weiteren Kreisen die Ueberzeugung Bahn bricht, dass insehr vielen Fällen die allein rationelle und zureichende Hülfe gegenüberder häuslichen Misere in der Ueberführung der Kreissenden in eine wohl-eingerichtete Entbindungsanstalt zu suchen und zu finden ist. So werdensich die Wöchnerinnenasyle, hier früher, dort später ganz von selbst er-geben, und sie werden in dem wachsenden organischen Gefüge derGeburts- und Wochenbetthygiene sich in jedem Kreise immer entschie-dener die ihnen gebührende centrale Stellung zu erringen wissen. Ver-einigen sich doch im Wöchnerinnenasyl die Interessen aller an der Ent-wickelung der Geburts- und Wochenbetthygiene passiv oder activ be-theiligten Factoren. Den Gebärenden und Wöchnerinnen aller Ständebietet es Schutz und sendet es Hülfe. DenHelferinnen" der Frauen-genossenschaft erleichtert es, ja ermöglicht es vielfach erst die Erfüllungihrer Pflichten. Durch das Wöchnerinnenasyl erst können methodischgeschulte Wochenpflegerinnen in genügender Zahl herangebildet werden.Den Aerzten bietet es in allen schwierigen Lagen der Praxis erwünschteZuflucht, nicht minder, ja in noch höherem Maasse den Hebammen,die im Wöchnerinnenasyl eine praktische Fortbildungsschule, eine Des-infectionsanstalt, ein Versammlungshaus für ihre regelmässigen Zusammen-künfte, kurzum ein Mutterhaus der künftigenFrauenschwestern"linden werden.

Wann wird das Ziel erreicht sein? Jahrzehnte mögen und werden