Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
593
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Frauen. 593

dürfen, wenn Hauser meinte, geradezu zwei verschiedene Wegestätuiren zu dürfen, die uns zur Erreichung des grossen Zieles der Er-haltung der Gesundheit des Frauengeschlechts zur Wahl stünden,wenn er meinte, der eine Weg bestehe in der auf legislativem Wege zufördernden Errichtung zahlreicher Wöchnerinnen-Asyle, er sei zu kost-spielig, dazu unsicher im Erfolg und deshalb nicht gangbar, der andereWeg hingegen bestehe in derOrganisirung einer geordneten und ge-schulten Wochenbettpflege für Stadt und Land nach und mit wesent-licher Umgestaltung unserer Hebammenverhältnisse" und sei leicht gang-bar, so muss ich ausdrücklich Verwahrung dagegen einlegen, als seidie von Hauser gegebene Schilderung (Schriften des Deutschen Vereinsfür Armenpflege und Wohlthätigkeit. XXX. Heft. Leipzig. 1897.Duncker und Humblot.) der Art und Weise, wie man durch Wöchnerinnen-Asyle eine Neugestaltung der Geburts- und Wochenbetts-Hygiene herbei-zuführen hofft, auch nur im mindesten meinen eigenen Gedanken darüberconform, ich bin aber ganz mit Hauser einverstanden und es ent-spricht durchaus meinen langjährigen Wünschen und Bestrebungen, wenner befürwortet, zunächst denzweiten" von ihm gezeichneten Weg zugehen. Nur glaube ich überzeugt sein zu dürfen, dass dieser sogenanntezweite" Weg kein anderer als der auch von den Wöchnerinnen-Asylengewiesene ist. Es giebt eben in Wahrheit nur einen Weg zurvollen Erreichung unseres Zieles! Die Reform des Heb-ammenwesens und die Organisation der Hauspflege bezeichnenwichtige und nothwendige Etappen auf diesemWege, die Wöch-nerinnen-Asyle aber stehen am Ende und auf der Höhe des-selben! Man fange nur allerorten an, sich ernstlich um die Nothständein den Geburts- und Wochenzimmern unseres Volkes zu kümmern, manbetrete jenenzweiten" Weg, man organisire das Hebammenwesen unddie Hauspflege, und das hygienisch geschärfte Gewissen wird früheroder später überall, auch auf dem Lande, sich plötzlich vor der For-derung der Wöchnerinnen-Asyle stehend finden und ihr nicht mehr aus-zuweichen vermögen. Einander ergänzend haben Hauspflegeverein undWöchnerinnen-Asyl zu arbeiten. Als organische Einheit müssen sie sichfühlen lernen.

Noch muss ich in Kürze eines Institutes gedenken, das segensreichwirkend unter den Entbindungsanstalten Deutschlands eine ganz eigen-artige Stellung einnimmt. DasVersorgungshaus" von Fräulein Lung-stras in Bonn im Jahre 1873 begründet, nimmt erstgefallene Mädchenauf, pflegt sie in der Schwangerschaft, während der Entbindung und imWochenbett und kümmert sich in eingehender Weise auch um die Zu-kunft aller seiner Pfleglinge, der Mütter wie der Kinder, sorg-fältig vor allem deren sittliches Wohl erwägend und im Auge behaltend.Es handelt sich mithin um eine unter dem Gesichtspunkt nicht sowohlder somatischen, als vielmehr der psychischen Hygiene ins Leben ge-tretene Schöpfung, um eine Schöpfung christlicher Liebe, der man beidem beklagenswerthen Loos so vieler erstgefallener Mädchen nur von