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1 (1899)
Entstehung
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591
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Sonderkranlcenanstalten und Fürsorge für Frauen. 591

sich allein extra kocht. Denselben Lebensverhältnissen angehörig wiedie Verpflegten, soll sie deren Lebensweise nach Möglichkeit theilen.Wo also die Mittel der Verpflegten die Verköstigung der Pflegefrau nichterlauben, erhält diese vom Verein einen kleinen Beitrag (bis zu 80 Pf.),welchen sie in den Haushalt der verpflegten Familie einzuschiessen hat.

Die Pflegefrauen unterstehen der Aufsicht der controliren-den Damen. Letztere besuchen während der Pflegezeit, die in der Regelauf 10 Tage normirt ist, zwei bis dreimal den verpflegten Hausstand etc.

Die Organisation des Vereins wird vervollständigt durch Einrich-tungen, welche eine möglichst gerechte Wahl der zu Verpflegenden er-streben etc."

Der nach diesen Grundsätzen arbeitende Frankfurter v Hauspflege-verein hat sich innerhalb weniger Jahre glanzvoll entwickelt. Schon imersten Jahre wurden 264, im zweiten 401, im dritten 494, und imletzten Jahre 586 Familien von ihm verpflegt. In weitaus der Mehr-zahl der Fälle (367 mal im letzten Jahre) gab das Wochenbett den An-lass zu seinem Wirken. Der Frankfurter Haus pflege verein hat sich da-mit das grosse Verdienst erworben, die zur Pflege armer Wöchnerinnenin ganz Deutschland seit Beginn unseres Jahrhunderts thätigen Frauen-vereine zu einer Arbeit wachzurufen, die weit über das Maass dessenhinausgreift, was dieselben bisher als ihre Aufgabe zu betrachten ge-wohnt waren. 1 ) Waren es bislang Freundlichkeiten und Almosen, dieden armen Wöchnerinnen in Gestalt von Kinderzeug, einiger Wäsche,Kohlen und Suppen aus einem verschwommenen Drang zur Bethätigungder Nächstenliebe gewährt wurden, so sehen wir hier einen Frauenvereinin klarer Erkenntniss der wirtschaftlichen und hygienischen Nothständethatkräftig eingreifen und mit einfachen Mitteln zielbewusst eine Füllevon Segen verbreiten. Schon jetzt hat der Frankfurter Hauspflegevereindie wohlverdiente Nachachtung in einer Reihe von anderen StädtenBerlin, Breslau, Gotha, Cassel gefunden. Auch in Magdeburg sindwir an der Arbeit. Der deutsche Verein für Armenpflege und Wohl-thätigkeit ist 1896 und 97 auf seinen Congressen in Strassburg und Kielwarm für die Organisation der Hauspflege im Sinne des FrankfurterVereins eing etreten. Selbst in ländlichen Bezirken (Donaueschingen)haben diese Bestrebungen in erfreulichster Weise schon festen Fnss ge-fasst, und es kann nach alledem keinem Zweifel unterliegen, dass derAufbesserung der Frauenpflege speciell der Wochenbetts-Hygieneganz De utschlands ein mächtiger Impuls von Frankfurt aus zu Theil ge-worden ist. Fügt man dem Frankfurter Programm noch die kleine Er-gänzung hinzu, wie es auch auf dem diesjährigen Kieler. Oongressdes Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit geschehen,' dass im

1 ) Das Programm des Frankfurter Hauspflegevereins findet sich übrigens, wienicht unerwähnt bleiben mag, schon klipp und klar entwickelt von Berthold Auer-bach im dritten Bande seinerSchwarzwälder Dorfgeschichten Die Frau Pro-fessorin" pag. 40 und 41. Stuttgart. Cotta. 1861.