Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Frauen. 589
gaben der Hygiene geworden, — die Mehrzahl der Hebammen meidetauch noch in Magdeburg das Asyl und stemmt sich dagegen. Gut Dingwill Weile haben.
5. Familienpflege.
Schon im Jahre 1888 wies ich nachdrücklichst darauf hin, dass dieWöchnerinnenasyle ihre segensreiche Wirksamkeit nur dann in vollemUmfange würden entfalten können, wenn die sie unterhaltenden Frauen-vereine sich die Fürsorge auch für die verlassene Familie der Anstalts-pfleglinge würden angelegen sein lassen. (Die sociale und geburtshilflich-reformatorische Bedeutung der Wöchnerinnenasyle. — Magdeburg —Faber. 1888.) Ich empfahl zuverlässige ältere Frauen in die Diensteder Vereine zu stellen, die als „Familienpflegerinnen" den ver-lassenen Haushalt unserer Pfleglinge führen sollten. Dass ohne dieseergänzende Hilfe der Frauenvereine eine grosse Menge bedürftiger Frauensich durch die berechtigte Sorge um ihre Familie von der im Asyl ge-botenen, wenn auch noch so erwünschten Hilfe würden fern haltenlassen, lag ja klar auf der Hand. Leider ist es mir aber nicht gelungen,diesen Gedanken, trotz wiederholter Anregung, bisher in ausgiebigerWeise zur That werden zu lassen. Nur ganz vereinzelt wird er zurAusführung gebracht. So bleibt uns denn in Magdeburg ■— und, soweitich aus den Berichten der übrigen Asyle ersehe, auch in anderenStädten — noch eine grosse Lücke auszufüllen.
Um so erfreulicher ist es, dass jener Gedanke durch Entsendungvon „Familienpflegerinnen" dem Nothstand entgegenzutreten,welcher sich in unbemittelten Familien nicht nur bei Ab-wesenheit, sondern auch bei Arbeitsunfähigkeit der Frauenim Wochenbett oder bei Krankheiten durch Niedergang desHaushalts entwickelt, seit dem Jahre 1892 in Frankfurt a. M. sichin selbständiger Weise entwickelt und zur Bildung eines eigenartigen„Hauspflegevereins" Anlass gegeben hat. Erwägungen wirtschaftlicherund hygienischer Art Hessen den Verein am 1. November 1892 insLeben treten. Zweck und Organisation desselben wird im ersten Jahres-bericht (Jahresbericht des Hauspflegevereins zu Frankfurt a. M. 1894Buchdruckerei von Söllbach) wie folgt geschildert: „Der Zweck unseresVereins ist der, die Verwaltung des Hauswesens, die Hauspflege, inNothfällen zu übernehmen. In erster Linie soll dies bei Wochenbetten,ausserdem, wo nicht Diaconissen oder barmherzige Schwestern die Haus-pflege übernehmen, bei Krankheitsfällen und vor allem auch dann ge-schehen, wenn die Hausfrau zum Zwecke einer vorzunehmenden Ope-ration oder eines Curaufenthaltes aus ihrem Hauswesen entfernt werdenmuss. Das Bedürfniss einer Hauspflege geht weiter als es vielleicht dieMehrzahl der zu der besser situirten Minderheit gehörenden zu ermessenvermag. Nur die wenigsten werden ein Bild davon haben, welche Zu-stände in dem Haushalte des unbemittelten Arbeiters, des kleinen Be-