582 Brennecke,
Erst nach dem Siege der Antiseptik. im Jahre 1880 und 81 konntengleiche Motive Dr. Hucklenbroich in Düsseldorf zu gleichem Vor-gehen bestimmen. Auch ihm war es mit dem am 1. April 1882 inDüsseldorf eröffneten Wöchnerinnenasyl wesentlich darum zu thun, eineWohlthätigkeitsanstalt für arme Ehefrauen zu schaffen. Wie von selbstaber ergab es sich schon in Aachen und Düsseldorf, dass nicht nurdirect den armen Pfleglingen, sondern auch indirect den Wöchnerinnenaller Stände ein reicher hygienischer Gewinn aus diesen Anstalten iloss,insofern sich dieselben alsbald zur gewiesenen Ausbildungsstätte vonWochenpflegerinnen gestalteten. Gerade dieser Gesichtspunkt aber, dassdie Wöchnerinnenasyle nicht nur einer beschränkten Zahl armer Frauenzu Gute kommen, dass sie vielmehr bei rechter Leitung fähig sind aufdem weiten Felde der Geburts- und Wochenbettshygiene nach allenRichtungen hin belebend und fördernd zu wirken, dass sie mittelbardurch stete fortbildende Beeinflussung und Hebung des Hebammen- undWochenpflegerinnenstandes jedem Hause nutzbringend werden, sei esarm öder reich, — gerade dieser Gesichtspunkt war es, der erst ein-mal klar und bestimmt erfasst werden wollte, um die in den Wöchne-rinnenasylen schlummernde Kraft zu einer organischen Umgestaltung dergesammten sich auf dem Gebiete der Geburtshilfe bewegenden Frauen-pflege wach zu rufen. Die trostlosen Verhältnisse des Hebammenwesensim Zusammenhang mit den traurigen Zuständen in den Wochenstnbender Armen Hessen mir im Jahre 1883 den Gedanken aufleuchten, dassEntbindungsanstalten für arme Ehefrauen wie nichts anderes geeignetsein müssten, nach allen Eichtungen hin Hülfe zu bringen. Und esward mir je länger je mehr zur Gewissheit, dass hier die Hebel ange-setzt werden müssten, wenn es je gelingen sollte, die Geburts- undWochenbettshygiene auf eine den Anforderungen der Wissenschaft undder Humanität entsprechende Höhe zu bringen. Freilich der Weg schienerschreckend weit, — doch das Ziel lag in seinen wesentlichen Um-rissen klar vor Augen. Anlehnend an Wöchnerinnenasyle, die zur Auf-nahme und Pflege bedürftiger und in den Stunden der Geburt irgendwiebesonders bedrohter Ehefrauen bestimmt sein sollten, galt es und giltes einen „diaconissenartig", d. h. berufsgenossenschaftlich gegliedertenGeburtshelferinnenstand ins Leben zu rufen, der aus fähigeren Elementenals bisher sich aufbauend, dem niederziehenden Concurrenzgetriebe ent-rückt, am Wöchnerinnenasyl seinen beständigen Halt und seine Fort-bildungsschule findet. Das Wöchnerinnenasyl sollte und musste dieHandhabe bieten, um dem bisher herrschenden Unfug der „Wickelfrauen",jener ungeschulten Gehilfinnen der Hebammen, ein Ende zu bereitendurch Heranbildung eines zuverlässig geschulten Wochenpflegerinnen-standes, der gleichfalls als geschlossene Genossenschaft im Dienste undunter der dauernden Zucht des Asyls, als seines Mutterhauses, steht.Das Wöchnerinnenasyl sollte und musste den aller Orten bestehendenFrauenvereinen zur Pflege armer Wöchnerinnen die Augen öffnen helfenüber die ihrer harrenden grossen socialen und hygienischen Auf-