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1 (1899)
Entstehung
Seite
581
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Frauen. 58L

so reichem Erfolge betreten haben. Dass diese erst auf einen so kurzenZeitraum von 13 Jahren zurückblickende Bewegung sich noch in denersten Anfängen befindet, dass sie mit Schwierigkeiten aller Art zukämpfen hat, versteht sich von selbst. Sociale Neuordnungen von sotief in das Volksleben und in die Volkssitte einschneidender Bedeutungkönnen nur langsam aus dem allmälig zum Bewusstsein kommendenBedürfniss hervorwachsen, sie können nicht auf legislativem Wegeerzwungen werden, sie bedürfen einer Jahrzehnte langen organischenEntwickelung, ehe man sagen kann, dass sie zu einer gewisse Reifeund zu einem gewissen Abschluss gelangt sind. Indem wir aber dieEntwickelungstendez der jung aufstrebenden Wöchnerinnenasyle verfolgen,wird uns der Weg klar werden, auf welchem wir unmerklich und dochsicher aus den unbefriedigenden heutigen Zuständen hinübergelangen indie bessere Zukunft einer wohlgeordneten Frauenpflege.

Wie bereits oben erwähnt, sind Wöchnerinnenasyle zur Pflege armerEhefrauen schon im grauen Mittelalter nichts Unerhörtes gewesen. ImLaufe der Jahrhunderte ging diese Einrichtung aber in Deutschlandwieder völlig verloren. Wohl wurden in neuerer Zeit an den Kranken-häusern grösserer Städte hie und da Gebärabtheilungen zur Aufnahmearmer auf commnnalc Unterstützung angewiesener Weiber und nament-lich ausserehelich geschwängerter Personen eingerichtet, doch Entbindungs-anstalten im Sinne unserer Wöchnerinnenasyle, bestimmt zur Aufnahmenicht nur notorisch armer sondern überhaupt irgend bedürftiger ehrbarerEhefrauen, kannte man in ganz Deutschland nicht, als in Aachen am3. August 1830 eine erste derartige Anstalt das Mariannen-Institut auf Betreiben des am 2. März 1866 ebendort verstorbenen Sanitäts-rath Dr. Vitus Metz ins Leben gerufen wurde. Mit Hilfe eines Frauen -Vereins unter dem Protectorate Ihrer König!. Hoheit der PrinzessinMarianne, Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Preussen, wurde dasInstitut begründet und 50 Jahre lang wirkte es in reichem Segen, ohneüber die engere Umgebung Aachens hinaus Beachtung zu finden. Sichtweniger als 10373 Kreissende fanden bis Ende Juli 1880 in der AnstaltAufnahme und nur 41 derselben starben im Wochenbett. Ein glanz-volles in der vorantiseptischen Zeit erzieltes Resultat, das auch heutenoch im Zeitalter der Antiseptik von der Geburtshilfe im häuslichenBetriebe nicht erreicht wird! Die Leiden und die Noth armer Wöch-nerinnen, die ihm als beschäftigten Geburtshelfer immer wieder vorAugen traten, hatten Dr. Vitus Metz zur Gründung des Instituts be-stimmt. Aber noch war die Zeit nicht reif, um seinem kühnen Vor-gehen schnelle Nachfolge zu sichern.

Noch lange waren und blieben Entbindungsanstalten gefürchtet alsganz besonders unter dem Banne des Kindbettfiebers stehend, wennschon die Erfolge des Mariannen-Institutes dazu hätten beitragen können,jenen Wahn zu zerstören und auf die rechte Fährte zu leiten, dassnämlich nicht die Anstalten als solche, sondern allein deren Ausnutzungzu Lehrzwecken eine erhöhte Gefahr für die Pfleglinge mit sich bringe.