Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
573
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Sonderlaankenanstalten und Fürsorge für Frauen. 573

lieferte schon im ersten Jahr für Jeden, der sieh überzeugen lassen wollte,den schlagenden Beweis für die Wahrheit seiner Lehre durch den jähenso erzielten Abfall der Mortalität der Wöchnerinnen von 10 auf 1,27 pCt.derselben.

Aber leider War die Zeit noch nicht reif, um die enorme Trag-weite und die auf geburtshilflichem, gynäkologischem und chirurgischemGebiete umgestaltende Wirkung der Semmel weis'sehen Lehre begreifenund voll erfassen zu können. Es gehörten die Vorarbeiten eines Pasteurund Lister und volle 25 Jahre dazu, um die führenden geburtshilflichenKliniker verstehen zu lassen, welch einen Schatz ihnen der im Jahre1865 darüber hingestorbene Semmelweis hinterlassen, wie Recht der-selbe gehabt hatte, als er zürnend den ihn todtschweigenden Fach-genossen zurief:meine Lehre ist nicht da, um in Bibliotheken unterStaub zu vermodern, sondern um im praktischen Leben segensreich zuwirken; sie ist da, um den Schrecken aus den Geburtshäusern zu ver-bannen und um dem Gatten die Gattin, dem Kinde die Mutter zu er-halten."

Erst um das Jahr 18731874 fing die i\ntiseptik an, ihren umge-staltenden Einfiuss zunächst in den Kliniken und Gebärhäusern zu ent-falten. Von hier aus nahm sie in den 70 er und 80 er Jahren ihrenSiegeslauf durch die gesammte ärztliche Welt und fuhr schliesslich, seitetwa 12 Jahren, heilsam aufrüttelnd auch in die Welt des niederen Heil-personals, in das Hebammenwesen.

Nachdem die Professoren der Geburtshilfe endlich ihren Widerstandgegen die vorwurfsvolle und verantwortungsreiche Semmelweis'scheLehre im Princip aufgegeben und um das Jahr 1873 einer ernstenAntiseptik die im Grunde genommen nichts anderes als zielbewusstepeinliche Peinlichkeit bedeutet in ihren Kliniken Einlass gegönnthatten, sah man in überraschender Weise die Todesfälle an Kind-bettfieber von Jahr zu Jahr mehr zurückgehen. Wohl kam .esbei dem Bestreben, die Antiseptik zu vervollkommnen, zu Irrungenmancher Art und eine wohlgemeinte antiseptische Polypragmasie führtevorübergehend in dieser und jener Klinik zu erneutem Anstieg der Todes-curve. Doch je mehr man, Dank fortschreitender bacteriologischerForschung, sich Klarheit zu verschaffen wusste über das AVesen desbezw. der Gifte, deren Ursprung und Quellen Semmelweis schon klärbezeichnet hatte, je mehr man gewisse Coccen und Bacterien als dieeigentlichen Träger des Puerperalfiebergiftes würdigen und deren Lebens-bedingungen kennen leinte, um so zielbewusster und auch um so ein-facher gestaltete sich der in der Antiseptik mit diesen Giften zu führendeKampf, bis. man endlich zur uneingeschränkten Anerkennung der soüberaus einfachen, von Semmelweis in genialer Weise aufgestelltenGrundsätze der Antiseptik zurückkehrte. Die nun, Dank diesen Grund-sätzen und Dank einer geläuterten wissenschaftlichen Einsicht, in denGebäranstalten erzielten Resultate übertreffen weitaus die kühnsten Hoff-nungen, die einst Semmelweis zu hegen wagte. Aus den Mörderhöhlen