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bürg der Wissenschaft, in den geburtshilflichen Universitätskliniken,Jahr aus, Jahr ein eine sich oft in das Grauenhafte steigernde Todes-ernte hielt. Ohne ersichtlichen Grund stellte es sich seit den 20er Jahrenunseres Jahrhunderts fast jährlich in den Anstalten ein, um epidemie-artig 10, 15, 20 ja 30 pCt. der Wöchnerinnen auch nach ganz leichtund normal verlaufenen Entbindungen dahinzuraffen. Dass derselbe un-heimliche Gast auch in den Privathäusern einkehrte und im ganzenLande alljährlich eine erschreckend grosse Todesernte hielt, — das ahnteman zunächst kaum, weil die Krankheit in Dorf und Stadt immer nurzerstreut und mehr vereinzelt aufzutreten pflegte. Der Theorien überdas Wesen des Kindbettfiebers gab es in den 30er und 40er Jahrengenug. Dass sie aber falsch waren, bewies die Ohnmacht aller auf siegegründeten prophylactischen und therapeutischen Maassnahmen. Manmochte, gestützt auf die Ansicht von dem miasmatischen Charakter desdem Kindbettfieber zu Grunde liegenden Giftes, die prachtvollsten Ent-bindungshäuser mit den vorzüglichsten Ventilationseinrichtungen bauen, —in den neuen Häusern herrschte das Fieber mit derselben ungebrochenenKraft wie in den alten. Schon hatte sich der leitenden Kliniker einegewisse Resignation bemächtigt, man erwog, ob es nicht im Hinblickdarauf, dass die Anhäufung von Wöchnerinnen in demselben Räume demFieber Vorschub zu leisten scheine, gerathen sei, die grossen Ent-bindungsanstalten überhaupt eingehen zu lassen und statt ihrer kleinere,dem Betrieb der Geburtshilfe in Privathäusern nahe kommende Instituteeinzurichten, — als Ignaz Philipp Semmelweis, damals Assistenz-arzt an der grossen Wiener Gebäranstalt, im Jahre 1847 mit der epoche-machenden Entdeckung hervortrat, dass das Kindbettfieber eine Wund-infectionskrankheit sei, hervorgerufen durch Uebertragung fauliger undin Zersetzung begriffener thierisch-organischer Substanzen auf die beijeder Kreissenden im Genitalcanal entstehenden frischen AVunden. Un-reine Hände und unreine Instrumente des geburtshilflichen Personalsseien in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Träger desGiftes. Nur vereinzelt seien die Fälle von Selbstinfection, in welchendie Verunreinigung der frischen Wunden ausgehe von fauligen organischenSubstanzen, die sich schon im Genital schlauch der Kreissenden vorfinden.Der oberste einfache Satz der Semmelweis'schen Verhütungslehre desKindbettfiebers lautete demgemäss: Bringt den Kreissenden und Wöchne-rinnen nicht von aussen mittelst unreiner Hände und unreiner Instru-mente in Zersetzung begriffene thieriseh-organische Substanzen bei, —reinigt Eure Hände und Instrumente und alle mit der Kreissenden undWöchnerin in Berührung kommenden Utensilien in einer Weise, dass Ihrsicher sein dürft, dass dieselben nicht mehr Träger der gefahrdrohendenGifte sind! Die Antiseptik erblickte damit das Lieht der Welt. ZurErreichung des gedachten Zweckes führte Semmelweis im Jahre 1847auf seiner. Abtheilung der Wiener Gebäranstalt Waschungen . der unter-suchenden Hände und Instrumente des geburtshilflichen Personals mitChlorwasser und etwas. später mit dem billigeren Chlorkalk ein und