Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
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564
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564 Bronnecke,

hilfe, sich schon damals zu einer relativ hohen Stufe wissenschaftlicherEntwickclung emporschwingend, der aller anderen Culturvölker weitvoraus. Auf der Seine-Insel, im alten Hotel-Dicu zu Paris, bestandschon seit dem 15. Jahrhundert eine öffentliche Gebäranstalt für armeWeiber. Bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts diente dieselbe zuUnterrichtszwecken für Hebammen und Äerzte, ein Llnicum in der ganzendamaligen civilisirten Welt! In den überfüllten Räumen dieser Anstaltherrschten zwar Zustände grauenvollster Art (näheres darüber findet sichbei Dr. E. BummUeber die Entwicklung der Frauenspitäler und diemoderne Frauenklinik". 1897. Wiesbaden. Bergmann), dochungetrübt bleibt dem Hotcl-Dicu der Glorienschein einer Wiege dermodernen geburtshilflichen Wissenschaft. Hier fanden die Koryphäender Wissenschaft des 17. und 18. Jahrhunderts ihre wesentliche Bildungs-stätte, von hier ging auch die erste Anregung aus zur Errichtung weiterergeburtshilflicher Lehranstalten. Auf damals französischem Boden, inStrassburg, ward im Jahre 1728 auf Betreiben des Prätors von Klinglineine zweite geburtshilfliche Schule eröffnet. Der Leitung Johann JacobFried's anvertraut, ward sie für Deutschlands Geburtshilfe von bahn-brechender Bedeutung. Die in deutscher Sprache gehaltenen VorlesungenFried's zogen Aerzte und Studirende aus ganz Deutschland in Schaarenherbei und im Verein mit der in der Anstalt gebotenen Möglichkeit, dennatürlichen Geburtshergang am Gebärbett selbst zu beobachten, sorgtensie für Ausbreitung eines gesunden geburtshilflichen Verständnisses inweiteren und immer weiteren Kreisen der Aerzte Deutschlands. Derseit Jahrhunderten auf Deutschlands Geburtshilfe lastende Bann war da-mit endlich gebrochen, die Beschäftigung mit ihr galt nun nicht mehrunter der Würde des Arztes. Den Behörden und Aerzten gingen mehrund mehr die Augen auf über die namenlose Versäumniss, die manJahrhunderte lang sich auf geburtshilflichem Gebiete hatte zu Schuldenkommen lassen. Man lernte einsehen, in welch erschreckender Mengedie Kreissenden und Neugeborenen den Störungen des Geburtsmechanismuszum Opfer fielen, weil ein rohes, technisch und wissenschaftlich unge-schultcs geburtshilfliches Personal diese Störungen nicht nur nicht ver-stand zu erkennen und abzuwenden, sondern sie geradezu hervorriefdurch unverständiges und täppisches Eingreifen. Mit unwiderstehlicherGewalt drängte sich die Ueberzeugung auf, dass der bisherige geburts-hilfliche Unterricht der Hebammen wie der Aerzte ein ungenügender sei,dass die sociale und nationalöconomische Bedeutung der Geburtshilfeeine sorgfältige wissenschaftliche Bearbeitung und Pflege derselben seitensuniversell durchgebildeter Aerzte verlange, und dass als nothwendigeGrundlage einer solchen die Errichtung zahlreicher Entbindungsanstaltenzu Lehr- und Lernzwecken für Aerzte wie für Hebammen unerlässlichsei. Die Universität Göttingen ging im Jahre 1751 voran mit Errich-tung einer ersten geburtshilflichen Klinik nach dem Vorbilde Strassburg's.Ihr folgte 1751 Berlin mit der Entbindungsanstalt im Königlichen Charite-lazareth, 1763 Oassel. Und nun gings in schneller Folge während