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die Sacramente), so war der den AVöchnerinnen zu Theil werdende Schutzdoch vielfach wirksamerer und realerer Art. Fussend auf dem mosaischenGesetz und einem gesunden sittlichen Empfinden folgend, forderte dieKirche in officiellcn Verordnungen (s. „Die Fürsorge für die Wöchne-rinnen nach den Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts" von PfarrerBerber — Allgemeine Deutsche Hebammen-Zeitung 1895 No. 12 und„Die Hebammen nach den kirchlichen Verordnungen des 16. Jahr-hunderts, — eine kultur- und kirchengeschichtliche Skizze" von PfarrerBerber — 1. c. 1894 No. 4), dass den Wöchnerinnen volle 6 Wochennach der Entbindung Schonung und Pflege geboten werde, und zweifelloshat sie mit solchen Verordnungen bei ihrer autoritativen Machtstellungeinen überaus heilsamen, hygieinisch-erziehenden Einfluss auf die roheMasse des Volkes ausgeübt. Von besonderem Interesse ist die That-sache, dass schon im 13. Jahrhundert zu Plüllendorf die Einrichtunggetroffen war, arme Wöchnerinnen 6 Wochen lang unentgeltlich imSpital aufzunehmen und zu verpflegen. „Diese Unterstützung", so be-richtet Mono, „war für die Familien von Tagelöhnern (Seidnern) undandere arme Einwohner, die keine Dienstboten halten konnten, da derMann für seinen täglichen Verdienst ausser dem Hause arbeiten musste,von sehr grossem Werthe". (J. F. Mono: üeber Armen- und Kranken-pflege früherer Zeit, mit Urkunden. Karlsruhe. — G. Braun 'sehe Hof-buchhandlung. — 1861). Aehnliches wird aus dem 14. Jahrhundert vonNürnberg, aus dem 16. Jahrhundert von München berichtet und magüberhaupt zu damaligen Zeiten nichts Ungewöhnliches gewesen sein.(Dr. Ernst-Bumm: Ueber die Entwickelung der Frauenspitälcr und diemoderne Frauenklinik. — Wiesbaden. — J. F. Bergmann. — 1897.)So schuf die christliche Gharitas schon im grauen Mittelalter eine Ein-richtung, die erst in jüngster Zeit in den Wöchnerinnenasylen zu neuemLeben und, wie wir hoffen dürfen, zu dauernd segensreicher Wirksamkeitwieder erwacht ist.
Vom guten Willen zur Hilfe bis zur Möglichkeit einer wirksamen Entfal-tung derselben bedurfte es aber einer JahrhundertclangenZeitdcr Entwicklungund emsiger Arbeit. An der grenzenlosen Noth der Frauen und an dembrennenden Wunsche, derselben abzuhelfen, musste sich erst die Fackelder geburtshilflichen und gynäkologischen AVissenschaft entzünden. Inihrem Lichte und unter ihrem Vörantritt konnten die zum Wohle derFrauen zu treffenden fürsorgenden Maassnahmen erst bestimmtere Formenund sichere Ziele gewinnen.
Die Geburtshilfe Deutschlands ruhte im Mittelalter und bis in das18. Jahrhundert hinein fast ganz in den Händen der Hebammen, undruhte dabei als Wissenschaft in des Wortes verwegenster Bedeutung.Die Scheu der deutschen Frauen vor Hinzuziehung männlicher Hilfe unddie dadurch für die Aerzte herbeigeführte Unmöglichkeit, den normalenHergang der Geburt kennen zu lernen, am Gebärbett selbst Erfahrungenzu sammeln und Beobachtungen anstellen zu können, waren dasJahrhundertc hindurch wirkende wesentlichste Hcmmniss einer wissen-