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und Irrenanstalten, die Gefängnisse und Zuchthäuser sind die Stätten,wo eine ungeheure Zahl von Trunksüchtigen Jahre lang ihren Aufenthaltfindet. Nach Baer's Berechnung sind beispielsweise im DeutschenReiche im Jahre 1877 in die öffentlichen Heil- und Irrenanstalten5085 Fälle und 1885 schon 11974 Fälle von chronischem Alkoholismusabgegeben worden. Man schätzt die Zahl der infolge übermässigenchronischen Trunkes den Irrenanstalten alljährlich in Deutschland an-heimfallenden Personen auf etwa 30000 und nimmt an, dass jeder neunteMann bei uns an chronischer Alkoholvergiftung vorzeitig stirbt. Weitmehr denn 30000 Arme fallen alljährlich bei uns der öffentlichen Ver-sorgung infolge von Trunksucht zur Last. In den Arbeitercolonien undverwandten Unterkunfsstätten sind 90 von Hundert der AufgenommenenTrinker. Auf der anderen Seite muss sich das Strafgesetz jährlich mitrund 150000 Fällen von unter dem Einflüsse des Rausches oder deschronischen Alkoholismus begangenen Vergehen und Verbrechen befassen.Es sind also neben dem kaum berechenbaren Schaden, welchen unserDeutsches Volk durch unmässigen Alkoholconsum allein hinsichtlichseiner allgemeinen Nähr- und Wehrkraft erleidet, enorme Lasten, welchees trägt für den Unterhalt von Tausenden und Abertausenden jener Un-glücklichen, die Jahr aus Jahr ein unsere Heil- und Strafanstaltenbeherbergen. Neben einer unersetzbaren Summe arbeitskräftigenMenschenmaterials vernichtet der Alkohol alljährlich Millionen,ja Milliarden von Volksvermögen; „er fordert mehr Opfer, als alleKriege und Seuchen zusammengenommen".
Nur mit wenigen Zügen konnten hier Ursachen und Folgen des un-mässigen Alkoholgenusses, eines unserer ersten socialen Uebel berührtwerden. Einen näheren Einblick zu gewinnen, dazu muss das Studiumder bereits reichhaltigen Alkoholliteratur, der ausgezeichneten Veröffent-lichungen bedeutender Volkswirthschaftler, Juristen, Aerzte, sowie dieBerichte von Geistlichen, insonderheit Männern der Inneren Mission,welche das Rettungswerk von Trinkern betrieben haben, dazu mögen dieAufzeichnungen unserer Trinkerheilstätten dienen. Kein Beruf aber weistdringlicher und beredter auf die Notwendigkeit des Kampfes gegen dieTrunksucht, die eigentliche deutsche Volkseuche, hin, als der des Arztes.Ihm treten die Schädigungen, welche das einzelne Individuum durchden Alkohol erleidet, unmittelbar vor Augen; der Arzt ist es, dem amehesten das ganze Elend der Familie eines Trunksüchtigen entgegentritt,der damit zugleich den Blick in die Zukunft des Einzelnen, wie seinerAngehörigen gewinnt, welche den frühen Untergang und eine gesammteallmähliche Entartung des Geschlechtes kündet. Und da der Trunk-süchtige ein Kranker ist, wird seine Behandlung dem Arzte zukommenund vom Standpunkte des Arztes aus vornehmlich zu betrachten sein.