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1 (1899)
Entstehung
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515
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Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 515

Sind in einer Anstalt Idioten und Epileptische beisammen, so wirddas ganze Unterrichtsniveau höher werden. In den höheren Klassenwerden die Epileptiker überwiegen. Aber eine Anzahl der Schwach-sinnigen wird davon auch Nutzen haben.

Eine Bemerkung kann ich nicht unterdrücken. Soweit ich die Ver-hältnisse kenne, glaube ich, dass den Schwachsinnigen in den deutschenAnstaltsschulen im Memorirstoff häutig mehr beigebracht wird, als sieverdauen können. Der Unterricht in den Idiotenanstalten ist noch zu sehrnach dem Schema der normalen Schulen eingerichtet. Das ist aus derEntwickelang der Anstalten leicht zu erklären. Der Tdiotenunterrichtmusste erst geschaffen werden und mit der Zeit wird er sich mehr undmehr seinem besonderen Zweck anpassen, um so eher, je besser derHandfertigkeits- und Gewerbeunterricht entwickelt werden wird.

Dem Religionsunterricht, besonders der biblischen Geschichte,wird mit Recht stets ein hervorragender Platz in dem Unterrichtsplanunserer Anstalten eingeräumt werden müssen, aus pädagogischen undreligiös-sittlichen Gründen. So eignen sich beispielsweise die Gleichnissedes neuen Testaments, die stets von einfachen, leicht verständlichen-Ver-hältnissen handeln, ganz besonders zur Behandlung in diesen Schulen.In Stetten ist durch Landenberger und Kölle die Verwendung derGleichnisse im Unterricht in verdienst- und geistvoller Weise ausgebildetworden.

Es unterliegt aber keinem Zweifel, dass gegenwärtig in den meistenAnstalten die Schwachsinnigen mit einer Uebermenge von religiösemWissensstoff überfüttert werden, der weit über ihre Gedächtniss- undFassungskraft geht. Viel Zeit und Kraft von Lehrern und Schülern wirdhier unnütz vergeudet. Der Grund dieses Missstandes ist theils ein mehräusserlicher, das Bestreben, die Zöglinge confirmationsfähig zu machen.Darauf legen die Angehörigen grossen Werth; sie sehen in der Gon-firmation in erster Linie eine Approbation für das bürgerliche Leben.Der zweite und Hauptgrund liegt in dem Bestreben der geistlichenLeiter der Anstalten, die Unterweisung in der Religion,die Weckungdes religiösen Lebens" als das wesentliche des Idiotenunterrichts darzu-stellen und damit wieder die Berechtigung für den confessionellen Cha-rakter der Anstalten zu begründen. Aus diesen Kreisen stammt auchdas alberne Märchen vonder tiefreligiösen Anlage der Schwach-sinnigen".

An die wissenschaftliche Tüchtigkeit, das pädagogische Geschick,die Geduld des Lehrerpersonals in den Anstalten, werden hohe Anfor-derungen gestellt. Nur fachmännisch gebildete Lehrer werden den An-forderungen gerecht werden können. Wir bedürfen deshalb für unsereAnstalten Lehrer und Lehrerinnen mit gründlicher seminaristischer Bildung.

Wärter zum Unterricht heranzuziehen, ist nur als Nothbehelf unterbesonderen Umständen thunlich.

Von psychiatrischem Standpunkt aus müssen wir ärztliche Direktorenan den Idioten-Anstalten verlangen. Aber bei der hervorragenden Be-