510 Wildermuth,
Bei der Untersuchung des Schädels genügt es, den Längs-umfang, Horizontalumfang, die Ohrscheitelline mit dem Bandmaass, dengrössten Längs- und Breitendurchmesser, die Entfernung der. äusserenOhröffnung, der Stirnhöcker und der Jochfortsätze des Stirnbeins mitdem Tasterzirkel zu messen. Zur graphischen Darstellung der Schädel-form benutzt man den Abdruck des Horizontalumfangs, des Lärigs-umfanges und der Ohrscheitellinie mit dem Bleistreifen. Für ganzgenaue Bestimmungen dient das von Prof. Rieger angegebene Ver-fahren.
Für die Untersuchung des motorischen und sensibeln Ver-haltens wende man das einfachste Verfahren an.
Einen raschen Ueberblick darüber erhält man auf folgendem AYeg:
Man lässt den Patienten die Augen schliessen und giebt ihm denAuftrag, die Punkte, die man an ihm berühren werde, möglichst raschselbst zu berühren. Die Bewegungen kann man in verschiedener Weiseabändern, man lässt sie mit gestreckten, gebeugten Fingern, mit derFaust u. s. w. ausführen. Die Stellung, die er der Gliedmasse zugeben hat, giebt man ihm entweder unmittelbar an oder man giebt —stets bei geschlossenen Augen — der Extremität der anderen Seite diegewünschte Haltung mit dem Auftrag, es auf der andern Seite ebensozu machen.
Dadurch orientiren wir uns schnell über Sensibilität, Muskelgefühl,Coordination und deren Störungen.
Augen und Ohren sind stets mit dem Spiegel zu untersuchen.
Feinere Methoden zur Untersuchung der Sensibilität mit Zirkel-distanz etc. sind bei der Mehrzahl der Idioten nicht anzuwenden, wennman nicht falsche Ergebnisse haben will.
Die Prüfung der Sprache, d. h. des Sprechens als coordinirterMuskelthätigkeit, geschieht am Besten so, dass man den Patienten zunächsteinzelne Buchstaben aufsagen lässt, dann Silben verschiedener Zusammen-stellung mit dem Consonanten als Anlaut oder Schlusslaut, schliesslichWörter und Sätze. Dazu nimmt man theils solche, deren Inhalt undBedeutung der Patient kennt und versteht, theils solche, dei-en Sinn ihmunbekannt ist.
Schon diese Untersuchungen werden uns Aufschlüsse über dengeistigen Zustand der Kranken geben.
Zur genaueren Untersuchung wäre die Anwendung psychophysischerMethoden sehr wünschenwerth. Aber auch die einfachen Methoden setzenmehr Verständniss voraus, als wir bei unseren Kranken finden. DieMethode von Rieger zur Prüfung der AVillensthätigkeit kann manunter einfachster Versuchsanordnung bei Idioten anwenden. Weiterstellt man an den Patienten die allereinfachsten Fragen, nach demeigenen Namen, nach Zahl, Alter, Namen der Geschwister, fragt nachder Benennung der gewöhnlichen Geräthe in Wirklichkeit und im Bild,des Weiteren lässt man ihn kleine Aufträge ausführen und macht ihmBewegungen und einfache Handlungen vor, die er nachzumachen hat.