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1 (1899)
Entstehung
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503
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Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 503

keit der Regierungen, Menschenfreunde und Aerzte auf. sich zog. DasElend des Cretinismus war es auch, das den Arzt und PhilanthropenDr. Guggenbühl bewog, thatkräftig Hand an das Werk der Erziehung-Schwachsinniger zu legen. Wohl ist Guggenbühl nicht der erste, dereine systematische Erziehung der Cretinen in Aussicht nahm. In Salz-burg hatte der Lehrer Guggenmaas von 18251833 nicht ohne Er-folg sich der Cretinen angenommen, und 1835 gründete der PfarrerHaldenwang zu Wildberg in Württemberg eine Anstalt für Cretinen,die aber nur kurzen Bestand hatte.

Guggenbühl's Erziehungsgrundsätze waren dieselben, wie die derfranzösischen Schule, auch er suchte durch Erziehung der Sinne auf dieEntwicklung des Gehirns einzuwirken. Anleitung zu ausgiebiger Be-schäftigung, namentlich in Feld und Garten, bildete einen wesentlichenTheil der Erziehung. Guggenbühl war ein begeisterter Prophet seinerSache, der es verstand, in weiten Kreisen lebendiges Interesse zu er-wecken. Aber in seinem Enthusiasmus versprach er zu viel, er redetevon Heilungen und Heilbarkeit des Cretinismus. Eine amtliche Unter-suchung im Jahr 1858 fiel nicht zu seinen Gunsten aus und er starb1863, nachdem er sein Werk hatte zusammenbrechen sehen.

Trotz seiner manchmal kritiklosen Ueberschwenglichkeit, die ihn zueiner Verkennung der Prognose der Idiotie und des Cretinismus geführthat, ist es falsch, Guggenbühl als Schwindler und Heuchler anzusehen.Sein Verdienst, weithin zur Fürsorge für Cretinen und Idioten angeregtzu haben, wird bestehen bleiben.

Von Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre beginnt eine Reihevon Anstalten zu erstehen. Die älteste Anstalt ist die von Kern, dieim Jahr 1839 in kleinem Umfang eröffnet wurde. 1859 wurde die An-stalt nach Möckern verlegt. Kern, ursprünglich Lehrer, studirte nach-träglich noch Medicin, sein Sohn, der die Anstalt jetzt leitet, ist Arzt.Längere Zeit war hier auch der um das Jdiotenwesen hochverdiente Dr. Kindthätig.

Von grossem Einlluss war das Wirken des Berliner Taub-stummen-Lehrers Sägert, der von seinen Erfahrungen bei geistes-schwachen Taubstummen ausgehend, sich der Ausbildung von Schwach-sinnigen zuwandte und 1845 eine Anstalt für sie gründete. Seine Er-fahrungen legte er in seiner ArbeitDie Heilung des Blödsinnsauf intellectuellem Weg" nieder.

Die Gründung der Anstalt in Hubertusburg in Sachsen imJahr 1846 ist bemerkenswert!), weil hier zum ersten Mal in Deutschlandder Staat sich der Schwachsinnigen angenommen hat. Die Gründungerfolgte auf die Anregung des Bezirksarztes Ettmüller zu Freiberg.

König Wilhelm I. von Württemberg, dessen weitumfassendemRegentenblick auch die elendesten seiner Unterthanen nicht entgingen,interessirte sich für das Werk Guggenbühl's auf dem Abendberg, dener selbst besuchte hat. Die Zählungen, die der Arzt Dr. med. Röschim Auftrag der Regierung vornahm, ergab eine weite Verbreitung des

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. Qg