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1 (1899)
Entstehung
Seite
492
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492 . Wildermuth,

ein, was damit gewonnen sein soll, wenn wir nach dem Vorschlag vonSommer (Giessen) die Microcephalie von der Idiotie abtrennten. Esgiebt eine Gruppe von Microcephalen, die eine grosse Familienähnlich-keit haben, die Aztekenköpfe. Klinisch nach Grad und Form desSchwachsinns sind sie wieder sehr verschieden. Bei der proportionalenForm der Microcephalie finden wir nicht nur die verschiedensten klinischenErscheinungen, sondern auch höchst verschiedene Veränderungen amGehirn.

Je mehr wir uns davon überzeugen, dass die Anomalien desSchädels bei Idioten nur seeundär sind und die verschiedensten Ver-änderungen des Gehirns begleiten können, umso mehr werden wir davonabsehen, die Schädelformen zur Grundlage einer Eintheilung zu machen.

Die verbreitetste Eintheilung geht von dem klinischen Grund-symptome der Idiotie, der psychischen Schwäche aus undunterscheidet die einzelnen Gruppen nach den verschiedenen Gradendieser Schwäche.

Wenn wir uns daran erinnern, dass die Idiotie eine Entwicklungs-hemmung ist, infolge deren das geistige Leben auf irgend einer Stufestehen bleibt, ehe das normale Ziel zur Zeit der Pubertät erreicht ist,so liegt es nahe, diese Stufen mit den einzelnen Abschnitten der nor-malen Entwicklung zu vergleichen. Wir dürfen dabei nur nicht vergessen,dass es sich bei den Idioten so gut wie nie um einen einfachen Mangeldes Intellects handelt, sondern noch um andere physische und psychischeKrankheitserscheinungen. Von diesem Grundsatze aus können wir dieIdiotie in 2 Hauptgruppen eintheilen.

Die erste, der idiotische Blödsinn, entspricht dem fötalen Zu-stande oder dem Verhalten des normalen Kindes in den erstell Tagennach der Geburt. Die zweite Stufe, der idiotische Schwachsinn,umfasst alle Stadien von der frühen Kindheit bis an die obere Grenze.

Diese zweite Stufe können wir in 2 Unterabtheilungen bringen;

a) den hochgradigen idiotischen Schwachsinn, er entsprichtder Intelligenzstufe eines 3—4jährigen Kindes;

b) den idiotischen Schwachsinn mittleren und leichteren Gradesentspricht den Stadien der späteren Kindheit.

Von hier führen unzählige Uebergänge in das gesunde Leben hinüber.Die Grenze zwischen krank und gesund verschiebt sich sogar nach dersocialen Stellung des Individuums.

Die Schwelle zwischen der frühen und späteren Kindheit ist dadurchgekennzeichnet, dass. von da an das Kind seine Muttersprache grammati-kalisch und syntaktisch richtig handhaben lernt. Die Sprache zum Ein-tlieilungsprincip für die Idioten überhaupt zu machen, ist wegen dervielfachen Sprachanomalien der Idioten, die nicht auf dem Intelligenz-defect beruhen, unmöglich.

Dem. praktischen Bedürfniss entspricht diese Eintheilung insofern,•als man sagen kann: der idiotisch Blödsinnige ist bildungsunfähig, derhochgradig idiotisch Schwachsinnige ist erziehbar, der idiotisch Schwach-