Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 487
Weisung festzuhalten. Dabei wird sich Gelegenheit geben, in freierWeise die Kranken mit dem was draussen in der Welt geschieht, mitnaturwissenschaftlichen Erscheinungen, geeigneten literarischen Productenbekannt zu machen.
In der weiteren Ausbildung wird die Landwirthschaft stets einehervorragende Rolle spielen. Der Werth dieser Thätigkeit für Nerven-und Geisteskranke jeder Art ist so anerkannt, ■ dass wir diesen Punktnicht weiter zu erörtern brauchen.
Die Gärtnerei steht hinter der eigentlichen Landwirthschaft in ihrerBedeutung für unsere Kranken nicht zurück. Es giebt dabei eine Mengeleichter Hantirungen, die auch dem Schwächsten Arbeitsgelegenheitgeben.
Zum Unterricht im eigentlichen Handwerk: Tischlerei, Flasch-nerei, Buchbinderei, Schneiderei muss ausgiebig Gelegenheit gegebensein. Namentlich ist dies nöthig für die Kranken, die geheilt oder ge-bessert die Anstalt verlassen können und denen wir durch gewerblicheAusbildung das Fortkoramen draussen ermöglichen.
Gerade für die Organisation der Arbeit werden die Anstalten inBielefeld stets ein Vorbild sein. In der Art und Weise wie v. Bodel-schwingh auch für den Schwächsten Arbeitsgelegenheit geschaffen hat,zeigt sich seine geniale Organisationskraft in glänzendem Licht.
Die Beschaffung eines guten Wartepersonals für Epileptiker-anstalten ist ebenso wichtig und nicht weniger schwierig als in derIrrenpflege. Ueber wesentliche Punkte der Wärterfrage gehen die Ansichtender Irrenärzte noch auseinander. Darüber ist man einig, dass das Personaleine Bezahlung erhalten soll, die über den landesüblichen Lohn wesent-lich hinausgeht, ferner darüber, dass man die Zukunft des Personais mög-lichst sicher stellen soll. Dazu dienen Steigerung des Lohnes mit derDienstzeit, Geldprämien, Pension, Maassregeln für Wittwen- und Waisen-versorgung, Ausdehnung des Unfallversicherungsgesetzes.
Getheilt sind die Ansichten noch darüber, ob man einen allgemeinenBerufswärterstand schaffen soll. Die gewichtige Autorität Ludwigsv. Heppenheim ist dagegen. Ein grosser Theil der Irrenärzte stimmenihm insofern bei, als sie annehmen, dass eine Pflegeperson in der Mehr-zahl der Fälle nach fünf bis sechs Jahren den Höhepunkt der Leistungs-fähigkeit überschritten habe.
Thatsächlich dürfte sich die Sache so gestalten, dass es für jedeAnstalt wünschenswerth ist, einen Stamm von älterem Personal zu haben,während die Mehrzahl des Personal rascher wechselt. So wird sich auchdie Frage, ob man die Wärter heirathen lassen soll, nicht in einer all-gemein gültigen Weise entscheiden lassen.
Wie Alt eine Einrichtung ins Leben gerufen hat, die geeignet ist,Mittelpunkte für familiäre Verpflegung zu schaffen und tüchtiges Personalfestzuhalten, haben Avir schon erwähnt.
Die Verwendung geistlicher oder confessioneller Orden und Genossen-schaften ist nur da praktisch, wo die Anstalt, in der die Leute ihre An-
Handbucli der Krankenversorgung uud Krankenpflege. I. Bd. g2