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1 (1899)
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463
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Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 463

contingent gestellt. Zu etwas anderen Ergebnissen kommt Kölle jun.Unter 109 geisteskranken Verbrechern, die vom Jahre 1891—95 imBurghölzli forensisch untersucht worden sind, befanden sich nur 11 pCt.Epileptische.

6. Die Prognose der Epilepsie.

Die Epilepsie kürzt die Lebensdauer ab. Nach den Erfahrungenvon Köhler sind in Hubertusburg von den Epileptikern bis zum 30. Jahrgestorben 57,6 pCt., von den nicht epileptischen Kranken 40 pCt.. Nachdem 40. Lebensjahr ist die Sterblichkeit der Epileptischen hinter derder anderen Kranken zurückgeblieben. Bei Idioten schien die Compli-cation mit Fallsucht die Sterblichkeit nicht zu erhöhen.

In vielen Fällen führt — von Unglücksfällen abgesehen — dieKrankheit selbst durch Häufung der Anfälle zum Tod. Nach den Er-fahrungen in Anstalten ist der Status epilepticus in ca. 50 pCt. dieTodesursache.

Ein nicht kleiner Theil erliegt der Tuberculose. Eine gewisse Dis-position dazu wird herbeigeführt durch die allgemeine Ernährungs-störung, die nicht selten im Gefolge der Fallsucht auftritt: die Oachexieepileptique (Bourneville).

Eine völlige Heilung der Epilepsie ist selten. Aber sie kommtvor namentlich bei jugendlichen.Epileptischen, die rechtzeitig in Be-handlung kommen.

In der Mehrzahl der Fälle müssen wir damit rechnen, dass dasLeiden den Menschen, den es einmal befallen hat, bis zum Tod nichtmehr verlässt. Meist hat die Epilepsie die Neigung sich zu ver-schlimmern.

Jede geistige Störung, die bei dem Epileptischen auftritt, trübt dieVorhersage erheblich. Bei der dauernden Entartung versteht sich dasvon selbst. Es gilt aber auch von den acuten geistigen Störungen, obsie im Zusammenhang mit den Anfällen oder als Aequivalente auftreten.

Nach dem Gesagten könnte es scheinen, als ob die weitverbreiteteAnsicht, dass die ärztliche Behandlung der Epileptischen verlorene Mühesei, richtig wäre. Thatsächlich ist die Prognose der Fallsucht besserals ihr Ruf. Wenn wir auch auf völlige Heilung nie mit irgend welcherSicherheit rechnen dürfen, so sind wir doch vielfach im Stande das Lei-den zu bessern, in seinem verhängnissvollcn Lauf zu hemmen, den Krankenfür Jahre arbeitsfähig zu erhalten und vor völligem Verfall zu be-wahren.

Ist das Leiden so schwer, dass der Patient in freier menschlicherGemeinschaft nicht mehr leben kann, so bietet die Anstaltspflege oftnoch Mittel und Wege, ihm ein wenn auch bescheidenes Arbeitsfeld zuschaffen und ihn in menschenwürdigem Zustand zu erhalten. Die Er-folge der ärztlichen Behandlung sind besser, als bei einer grossenAnzahl anderer chronischer Nervenkrankheiten. Von schweren organischen