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1 (1899)
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456
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456 Wildermuth,

Störung. Die besteht im Wesentlichen in einer intellektuellen Schwächein allen Abstufungen, von der leichten Abnahme der geistigen Leistungs-fähigkeit bis zu völliger Verblödung. Damit geht nicht seilen einekrankhalle Veränderung des Charakters Hand in Hand. SchwereFormen sittlicher Verwilderung sind nicht so häufig, wie gemeinhin an-genommen wird.

Die dauernde intellektuelle und sittliche Abstufung stellt die epilep-tische Degeneration dar.

Neben der dauernden Entartung kommen bei der Epilepsie häufigmehr oder weniger acut verlaufende geistige Störungen vor. Füreinen grossen Theil von ihnen ist nach Siemcrling's Definition dieHauptsache: eine traumhafte Veränderung des Bewusstseins von ver-schiedener Dauer und Form, mit oder ohne Sinnestäuschungen, mit er-loschener oder nur getrübter Erinnerung. Diese Dämmerzustände sindbesonders gefürchtet, weil die Kranken während ihrer Dauer nicht seltenschwere Gewaltthaten verüben.

Die acuten Psychosen können sich an ausgebildete Anfälle an-schlicsscn oder als Accpiivalente für sie auftreten. In seltenen Fällenstellen sie die einzige Aeusserung der Epilepsie dar.

Wir beobachten bei der Epilepsie auch acute psychische Störungenohne Acnderung des Bewusstseins. Sie treten stets im Zusammenhangmit Anfällen auf, entweder so, dass die Stimmung über die ganze Zeiteiner Anfallsgruppc krankhaft verändert ist oder so, dass die Verstimmungvor dem Anfall sich anders äussert als nachher.

2. Das AVesen und die Ursachen der Epilepsie.

Wir haben hier 2 Fragen zu unterscheiden:

1. AVelcher Theil des Gehirns ist der Ausgangspunkt derepileptischen Zustände und worin besteht seine krankhafteVeränderung?

2. Was ist die Ursache der anatomischen oder funetio-nellon Störung dieses Hirntheiles?

Ueber die Frage nach dem Ausgangspunkt bestehen im wesentlichen3 Theorien:

Die medulläre Theorie, die hauptsächlich von Nothnagel inWeiterentwicklung der Kussmaul-Tennerischen Lehre vertreten ist,nimmt an, dass der epileptische Anfall durch einen Krankheitsheerd inden basalen Hirntheilen, speciell im verlängerten Mark und der Brückeentstehe. Diese Erkrankung führe zu einer periodischen Reizung desvasomotorischen Centrums in der Medulla und einesKrampfcentrums"in der Brücke. Die Hauptsymptome des epileptischen Anfalls, die Be-wusstlosigkeit - - als Ausdruck der Blutleere in der Hirnrinde und dieallgemeinen Krämpfe seien die Folgen dieser Reizung.

Dieser Annahme gegenüber steht die corticale Theorie, die inUnverricht einen sehr entschiedenen Vertreter gefunden hat. Nach