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1 (1899)
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455
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Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 455

Die Fürsorge für Epileptische.

Die Krankheitsformen, die man unter dem Namen der Epilepsie zu-sammenfasst, nehmen eine hervorragende Stelle unter den Erscheinungendes kranken Lebens ein. Dies ist bedingt durch ihre weite Verbreitung,das Schreckhafte ihrer Aeusserung, die Häufigkeit der Geistesstörungen,die sie im Gefolge haben, den eigenartigen AVechsel von Zeiten schwererErkrankung und scheinbarer Gesundheit.

In der medicinischen Wissenschaft wie in dem Aberglauben derVölker hat die Fallsucht zu allen Zeiten eine grosse Rolle gespielt.

Kein Leiden, von ausgesprochener Geistesstörung abgesehen, schädigtden Menschen in seinen socialen Beziehungen so, wie die Epilepsie.

Bei den Aufgaben, die uns von der Humanität und von der Wissen-schaft gegenüber der Fallsucht gestellt werden, handelt es sich deshalbnicht nur um ärztliche Behandlung im engern Sinn, sondern wie in derPsychiatrie, um die Fürsorge für eine grosse Gruppe von Kranken, dieder Gesellschaft hilflos oder gefährlich gegenüberstehen.

1. Die Krankheitserscheinungen bei der Epilepsie.

Der Name Epilepsie wird für Zustände gebraucht, die pathologischdurchaus verschieden sind.

Wir haben zu unterscheiden:

Die echte Epilepsie, Epilepsia vera (idiopathische Epilepsie).

Die Epilepsie nach Vergiftungen besonders des Alkohols, diesich klinisch in ähnlicher Weise äussert.

Die Rindenepilepsie (Epilepsia corticalis) in Folge von Heerd-erkrankungen des motor. Rindengebietes. Eine häufige Form der Rinden-epilepsie ist die Fallsucht nach Polioenocphal. infantil.

Die Reflexepilepsie, die von der krankhaften Reizung einesperipheren Nerven ihren Ursprung nimmt.

Die häufigste von diesen Krankheiten ist die echte Fallsucht, zuihr gehören ca. 80 pCt. aller dieser Krankheitsformen. Ihr zunächst stehtdie Epilepsie nach Polioencephalitis mit 14 pCt., seltener sind dieandern Formen der Rindenepilepsie, überaus selten ist die Reflex-epilepsie.

Um die echte Epilepsie wird es sich bei den folgenden Ausführungenim Wesentlichen handeln. Bei den grösseren Zählungen sind die einzelnenFormen nicht geschieden. Im Vergleich zu andern Fehlerquellen in derStatistik kommt dies nicht in Betracht.

Das Wesentliche der genuinen Epilepsie sind periodisch auftretendeAnfälle von krankhafter Veränderung des Bewusstseins, die häufig vontonischen und klonischen Krämpfen der JMusculatur begleitet ist.

In den meisten Fällen führt die Epilepsie zu dauernder Geistes-

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. gpj