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1 (1899)
Entstehung
Seite
450
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450 Wildermuth,

liegen, braucht ein grosser Theil derer, die Anstalten aufsuchen, körper-liche Ruhe und systematische ärztliche Behandlung. Ich erinnere an diegrosse Menge erschöpfterblutarmer" Nervenkranker weiblichen Ge-schlechts. Bei ihnen kann von systematischer Beschäftigung, die alsArbeit anzusehen wäre, nicht die Rede sein.

Sind die Kranken dieser Art soweit hergestellt, dass sie arbeitenkönnen, so verlassen sie die Anstalt, um in ihren früheren Wirkungs-kreis zurückzukehren. Ist dieser unbefriedigend, so können wir das be-dauern, aber wir stehen Verhältnissen gegenüber, deren Aenderung meistausserhalb unseres Einflusses steht.

Für die nicht grosse Zahl arbeitsfähiger weiblicher Kranker ist esschwer, Arbeit zu schaffen. Die Betheiligung am Anstaltshaushalt istaus vielen Gründen nicht statthaft, Feld- und Gartenarbeit kann nurin beschränktem Maass in Betracht kommen. Rieger will die weib-lichen Patienten zu wissenschaftlichen Handlangerdiensten herangezogenwissen nicht viele werden sich dazu eignen und die Arbeitsgelegenheil,ist nicht gross.

Möbius betont auch ausdrücklich, dass er bei seinen Vorschlägenmännliche Kranke im Auge habe. Unter diesen befindet sich zweifelloseine grössere Anzahl, die beschäftigt werden kann und für die Arbeits-gelegenheit leichter als für Weiber zu beschaffen ist.

Es liegt eine Mittheilung vor eine Dissertation von H. Monnier,in der über die Ergebnisse der Arbeitsbehandlung bei Neuro pathonberichtet wird. Diese Erfahrungen stammen ausdem Beschäftigungs-institut für Nervenkranke", das Ingenieur Grohmann in Zürich gegründethat und leitet. Neben der Gärtnerei hat Grohmann namentlich mitder Tischlerei gute Erfahrungen gemacht. Es giebt in seiner Anstaltausserdem Arbeitsgelegenheit in der Typographie, im Zeichnen, Mo-dclliren und in Tapeziergeschäften. Monnier fasst die Ergebnisse dahinzusammen:

1) Durch zweckmässige manuelle Arbeit kann man in vielen, be-sonders frischen Fällen die Erscheinungen der Hysterie und Neurastheniezum Schwinden bringen.

2) Die Schwachsinnigen, die Psychopathen und die Trinker werdenje nach der erblichen Belastung, je nach der Dauer der Erkrankungan regelmässige Arbeit gewöhnt, die auf sie 'und ihre Umgebung denbesten Einfluss ausübt.

3) Die Hypochonder und Paranoiker ziehen meist nur geringenVortheil aus ihrer Arbeitscur.

Ein wichtiger Punkt ist der Anstoss zur Erlernung eines Berufes.

Die Erfahrungen sind, noch nicht genügend, um sich ein Urtheilüber die Heilwirkung, über den dauernden Nutzen der Beschäftigungseurzu bilden; sie sind aber derart, dass sie zu weiterem Fortschreiten aufdiesem Wege ermuthigen.

Rieger macht den Einwurf, dass für einen Mann, der in seinemBeruf neurasthenisch geworden ist, z. B. einen Kaufmann, damit nicht