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1 (1899)
Entstehung
Seite
449
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Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 44[>

abhalten lassen, kann man verzichten. Zum Ersatz des Alkohols dienendie natürlichen und künstlichen Mineralwässer, in denen man ja grossoAuswahl hat und die alkoholfreien Fruchtsäfte.

Die medicinische Behandlung.

Für die ärztliche Behandlung im engeren Sinn gelten inAnstalten dieselben Grundsätze, die schon erörtert worden sind. Diepsychische Behandlung im weitesten Wortsinn und die hygienische Re-gelung des Tageslaufes lassen sich hier viel strenger durchführen als inder Privatpraxis.

Für die Wasser- und elektrische Behandlung gilt dies noch be-sonders. Die Anstalten müssen in dieser Richtung vollkommen aus-gestattet sein.

Bei einem grossen Theil, namentlich den weiblichen Patienten, istunsere hauptsächlichste Aufgabe, den gesammten Ernährungszustand zuheben. Dies wird am besten erreicht indem man neben gesteigerterNahrungszufuhr den Patienten in grösstcr Ruhe hält. Die plan-mässige Entwicklung dieses Verfahrens ist mit den Namen Playfairund Weir-Mitehell verknüpft. Es in seiner strengsten Observanzdurchzuführen unbedingter Abschluss gegen die Aussenwelt, völligeVermeidung jeder Art Thätigkeit, ja fast jeder Bewegung ist nichtoft nöthig. Unbedingt nöthig, auch bei leichteren Fällen, ist der Ab-schluss gegen die Angehörigen, in deren Umgebung der Kranke bishergelebt hatte, Bettruhe und reichliche Milchfütterung.

Durch grosse Gaben von Leberthran wird die Cur erfolgreich unterstützt.

Womöglich bringe man den Patient im Bett oder auf dem Lieg-siuhL für den ganzen Tag ins Freie oder auf eine offene Veranda.

Anleitung zur Arbeit in den Nervenanstalten.

Wir haben auf die Arbeit von Möbius öfters Bezug genommen. Sieenthält eine Reihe geistvoller und origineller Gedanken über Behandlungvon Nervenkranken und die Errichtung von Nerven-Anstalten. DasWichtigste und praktisch Werthvollstc, was M. vorbringt, ist die Be-handlung der Nervenkranken durch Arbeit und die Errichtung von An-stalten, die auf diesem Princip gegründet sind. Rieger hat der Schriftvon Möbius eine eingehende und interessante Besprechung zu Theilwerden lassen, in der die Frage der Beschäftigung Nervenkranker zumTheil von anderer Seite her beleuchtet wird.

Möbius giebt auf die Frage, wie findet der Kranke Ruhe undSeelenfrieden, die Antwort: durch Arbeit. Wir haben es schon aus-gesprochen, dass ein grosser Theil der Nervenkrankheiten nicht durchUeberbürdung entsteht, sondern auf dem Boden eines beruflosen Lebensoder eines unbefriedigenden Berufes.

In wie weit sind nun die Nervenheil-Anstalten in der Lage, denKranken an Arbeit zu gewöhnen? So wie die Verhältnisse heut zu Tage