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Beschwerden keine selbständige Bedeutung haben und mit der Beseiti-gung des Grundzustandes, der Erschöpfung des Nervensystems ver-schwinden werden. Dass es sich bei dem Patienten um einen wirklichenund nicht nur eingebildeten Krankheitszustand handle, muss man ihmausdrücklich zugeben.
Wichtig ist die Frage, wie man sich zur specialistischen örtlichenBehandlung einzelner Organe verhalten soll. Dass Ovaria!- und Uterin-leiden nicht die Ursache der Hysterie sind, wird heute wohl allgemeinangenommen werden und die Verfolgung unschuldiger Eierstöcke scheintihren Höhepunkt überschritten zu haben. Auch in gynäkologischen Kreisenist man der Ansicht, dass schon die örtliche Untersuchung meist schäd-lich einwirkt. Aehnlich liegt die Sache bei manchen Magenleiden inihrem Verhältniss zu neurasthenischen und hypochondrischen Zuständenferner Nasenleiden, die der Urheberschaft vieler Neurosen bezichtigtwerden.
Dass thatsächlich bestehende Leiden örtlicher Art bei Nervösenbehandelt werden müssen, wie bei anderen Menschen, versteht sich, vonselbst. Aber man hüte sich, hypochondrischen und hysterischen Be-schwerden durch eine örtliche Diagnose ohne dringenden Grund einenfesten Rückhalt zu geben. Nichts erschwert die Behandlung dieser Zu-stände so, als die Diagnose eines örtlichen Leidens, die bei dem Pati-enten einmal gestellt worden ist. An „dem Unterleibsleiden", das dieHysterische und „dem Magenleiden", das der Hypochonder wie einenunantastbaren Besitz mit sich trägt, scheitert nicht selten die Durch-führung der allgemeinen Behandlung. Namentlich sei man darin vor-sichtig, dem Patienten wegen nervös dyspeptischer Beschwerden dieUnbekömmlichkeit einer Menge von Speisen zu suggeriren oder ihn inseinen Autosuggestionen darüber zu bestärken. Sonst umgiebt sich derPatient mit einem Gesetzeszaun von Speiseverboten, der schwer zu durch-brechen ist.
Bei der Aufstellung des Curplanes müssen wir davon ausgehen,dass die Mehrzahl unserer Kranken jahrelang oder für ihr ganzes Lebenmit einem wenig widerstandsfähigen Nervensystem zu rechnen hat. Esbandelt sich also nicht nur darum, „eine Cur" vorzunehmen, sonderneine Lebensweise zu finden, die der Patient ohne durchgreifende Störungseines Berufes durchführen kann. .
Wir haben bei der Besprechung der Prophylaxe auf den hohenWerth eines geordneten Berufslebens für die Verhinderung von Nerven-krankheiten hingewiesen. Auch bei der Behandlung schon Erkrankterist die Regelung der Arbeit von grösster Bedeutung. Das Bewusst-sein, noch etwas leisten zu können, der Segen der Arbeit, ist oft daseinzige, was die Kranken über Wasser hält und von dem nieder-schmetternden Gefühl eines verfehlten Lebens rettet. Geben die Kranken,denen es öconomisch möglich ist, ihren Beruf auf, „um etwas Rechtesund Gründliches für ihre Gesundheit thun zu können", dann sind sie ver-loren. Auch einem Wechsel des Berufs, mit dem die Kranken nur sich