Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
439
Einzelbild herunterladen
 

Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 439

sein. Durch das übermässige Betreiben der paar Spiele sei dem Knabenauch die Freude an der Natur und das Interesse für das Landleben ver-loren gegangen, das früher durch grössere Ausflüge und durch zwang-loses Umherstreifen in der Umgebung der Schule gepflegt worden sei.Ich denke für die Spielbewegung', die in Deutschland ins Leben ge-rufen worden ist und mit Hochdruck betrieben wird, liegt darin vielBeherzig.enswerth.es.

3. Allgemeine Grundsätze für die Behandlung Nervenkranker.

Ueber die Behandlung Nervenkranker besteht eine grosse Literatur,die meistens aus neuer und neuester Zeit stammt.

Neben den allgemeinen Lehrbüchern wie dem von Hilt, Oppen-heim, Gi-owers u. A. sind eine Reihe von Specialwerken erschienen, wiedie Arbeiten von Binswanger, Müller, Löwenfeld.

In neuester Zeit hat das Stintzingische Sammelwerk eine Reihevortrefflicher Arbeiten von Stintzing selbst, Binswanger, Lieber--,meister, Höslin, Strümpell gebracht, die die Therapie der Nerven-krankheiten erschöpfend behandeln. Wir werden uns hier auf die Skiz-zierung der allgemeinen Grundsätze beschränken.

Die Krankheiten, von denen wir hier reden, sind im wesentlichenpsychischer Natur und ihre Behandlung muss im wesentlichen einpsychische sein. Der Arzt muss danach streben, den krankhaften Inhaltund den krankhaften Mechanismus der Vorstellungen in günstigem Sinnezu beeinflussen damit kommen wir auf den Boden der suggestiven Be-handlung, in deren Dienst auch ein Theil unserer physicalischen undchemischen Heilmittel steht. Wie diese Suggestivbehandlung im ein-.zelnen ausgeführt wird, darauf kommt nicht so viel an. Insbesonderewird es vom einzelnen Fall, der Erfahrung und dem Geschick des Arztesabhängen, ob er die Suggestion in Form der Hypnose oder in andererWeise anwenden will.

Zur Beseitigung einzelner Symptome ist die Hypnose sehr ge-eignet, aber sie soll nur einen Theil des ganzen Curplanes ausmachen.

Der erste Schritt zur Behandlung ist eine gründliche, demonstrativ'genaue Untersuchung des Patienten. Auf Grund einer solchen könnenwir ihn dann mit aller Bestimmtheit versichern, dass keinorganischesLeiden" zu Grunde liege, sondern dass es sich um eine schleichendeErnährungsstörung des Nervensystems handle, die zu beseitigen sei.

Für die Behandlung ist der Hauptgrundsatz, sich nicht auf dieBekämpfung einzelner Symptome zu beschränken, sondern,den ganzen Tageslauf, die Nahrung, Arbeit, Ruhe und Be-wegung bis ins Einzelne zu regeln. Als Ziel ist die fortgesetzte.Steigerung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit im Augezu behalten. Den Kranken muss man überwachen und ihn immer wiederdaran erinnern, dass die manigfachen und wechselnden subjeetiven.

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I, Bd. 29