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labiles Gleichgewicht angeboren ist." Darauf kommt es immer wiederhinaus.
Die Ueberbürdung, namentlich die geistige Ueberarbeit, wird vielfachals eine häufige Ursache der Nervenkrankheiten angeschen. Thatsäch-lich ist sie es selten. Soweit sich derartige Einflüsse in Zahlen aus-drücken lassen, möchte ich nach meiner Erfahrung in nicht mehr als8 pCt. die Nervenkrankheiten als Folge von Ueberarbeit ansehen. Weithäufiger als durch Arbeit, werden die Leute durch ein beruf- und arbeit-loses Leben nervenkrank, „durch den moralischen Bankerott eines inThorheiten vergeudeten Lebens". Auf diesem Boden kommt eine neu-ropathische Anlage am kräftigsten zur Entwicklung, namentlich sind eshypochondrische Zustände, die hier gedeihen. „Das Nervenleiden" ver-tritt bei solchen Menschen die Stelle des Berufs, und sie füllen ihrinhaltsloses Leben mit ärztlichen Consultationen, Badecuren und demBesuch von Nerven- und Naturheilanstalten aus.
Der Schule wird häufig der Vorwurf gemacht, dass sie durch zugrosse Anforderungen bei der Jugend den Grund zur Schwächung derConstitution und so zu Nerven- und Geisteskrankheiten lege. Nament-lich hat man dem humanistischen Gymnasium diesen Vorwurf gemacht.Diese Klagen sind stark übertrieben worden. Man hat dabei ausser Achtgelassen, dass auf die jungen Leute noch andere und mächtigere Ein-flüsse einwirken als die Schule.
Ein zahlenmässiger Beweis, dass unser Schulsystem, insbesondereder Gymnasialunterricht die Schüler nerven- und geisteskrank mache,liegt nicht vor. Damit soll nicht geleugnet werden, dass hier Ver-besserungen möglich und wünschenswerth sind. Der Unterrichtsstoff aufdem Gymnasium ist in einzelnen Klassen zu gross geworden. Dafür istnicht die humanistische Richtung verantwortlich zu machen, sonderndaran ist das Streben schuld, in missverständlicher Auffassung derZiele des Unterrichts dem Stamm des Gymnasiums alle möglichenWissenszweige aufzupfropfen. Ich nehme keinen Anstand, hier in ersterLinie die Ausdehnung des mathematischen Unterrichts zu nennen.Die Gefahr der Ueberbürdung wird vermieden werden, wenn manvon der Ansicht abgeht, die Schule habe alles überhaupt Wissenswerthezu lehren.
Auch bei der Schulfrage spielt das Axiom von der fortschreitendennervösen Entartung unseres Geschlechtes eine grosse Rolle.
Von exogenen Schädlichkeiten sind in erster Linie die acutenInfcctionskrankheiten zu nennen, besonders Influenza. Namentlichhatte die Epidemie von 1889 auf 1890 häufig lang dauernde Erschöpfungs-zustände des Nervensystems im Gefolge. Auch nach Typhus, Diphthc-ritis, Rheumarthritis acuta, Malaria treten solche ah und zu auf.
Bei Frauen sind es schwere oder schnell auleinander folgende Ge-burten, die zu nervöser Erschöpfung führen. Chlorose in den Mädchen-jahren schafft zweifellos eine Veranlagung zu späteren nervösen Er-krankungen.