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1 (1899)
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427
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Stmderla-anltenanstalten und Pursorge für Geisteskranke. 427

erreicht werden wird, so sind doch jetzt schon ohne grosse Mühe gewisse"Verbesserungen durchzuführen. Mit Recht bezeichnet Born träger(Allgem. Zeitschr. f. Psychiatrie. Bd. 54) es als einen unerträglichenZustand, dass in vielen Anstalten Wärter "und Wärterinnen stets mit denKranken zusammenwohnen müssen und keinen Raum haben, in den siesich zurückziehen können; ein solcher Zustand muss das Personal auf-reiben und hält vielleicht manche brauchbaren Elemente vom Anstalts-dienst ah. Es müssen also überall Wärterzimmer geschaffen werden,der Tag- und Nachtdienst regelmässig abwechseln, oder es muss derDienst so vertheilt werden, dass die Wärter wenigstens gewisse Wocheneinen Raum für sich bewohnen. in der Irrenanstalt Herzberge derStadt Berlin in Lichtenberg (Moeli, Die Irrenanstalt Herzberge. Berlin1896) ist je ein grosses Besuchszimmer der Männer- und der Frauen-seite als Lese- und Gesellschaftszimmer für das Wartepersonal mit dennöthigen Einrichtungen verseilen: dem dienstfreien Personale steht anzwei Abenden wöchentlich von 8 bis 10 Uhr die Benutzung diesesZimmers ihrer Seite frei und einfache Erfrischungen können dort genossenwerden. Die Einrichtung hat anscheinend den Beifall des Personalsgefunden.

Liegt einerseits die Hebung der materiellen Lage des Wartepersonalsdurchaus im Interesse der Sache, so ist eine intcllectuelle Hebung des-selben andrerseits von eben so grosser Bedeutung. Wohl an allen Irren-anstalten werden jetzt von dem Director oder einem der Aerzte Untcr-richtscurse für das Personal abgehalten; das Ziel, das durch den Unter-richt erreicht werden soll, liegt nicht, wie Falkenberg (Die PllegeGeisteskranker. Berlin 1897) mit Recht hervorhebt, in der Heranbildungdesselben zu perfecten Krankenpflegern; das dürfte unter den heutigenVerhältnissen kaum möglich und mit Rücksicht auf die Eigenart der ineiner Irrenanstalt zu behandelnden Kranken auch nicht unbedingt not-wendig sein; wohl aber muss erreicht werden,dass das gesammte Per-sonal ein Verstandniss für die Eigenart der ihm anvertrauten Krankenbekommt, dass es die einfachsten Grundsätze der Gesundheits- undKrankenpflege beherrscht und sich soviel Geschick und Fertigkeit in derKrankenwartung aneignet, dass es nicht durch Unterlassung und fehler-hafte Ausführung ärztlicher Verordnungen unberechenbaren Schadenanstiftet".

Als Leitfaden und Grundlage für diesen Unterricht empfiehlt sicheins der ad hoc geschriebenen Bücher von Tippel, Falken berg,Schröter u. a. m.Wie sehr die Wärterfrage und speciell ein zweck-entsprechender Unterricht des Wartepersonals zur Zeit im Mittelpunktedes Interesses der Psychiater steht, geht daraus hervor, dass auf derJahresversammlung Deutscher Irrenärzte zu Hannover 1897 beschlossenwurde, einen Preis von 500 Mk. für den besten kurzen Leitfaden zumUnterrichte des AVartepersonals auszuschreiben. Dagegen wurde einVorschlag, Diplomirungen des Personals nach bestandener Prüfung vor-zunehmen, abgelehnt.